16. Stremel: Damen unterhalten sich.

 

Wenige Minuten nachdem Werner das Theater verlassen hatte eilte Claudia, die Assistentin von Else in die Maskenräume. Else bemerkte an ihr, dass sie prima gelaunt schien und richtig aufgekratzt guten Morgen wünschte und mit erwartungsvollem Gesicht Else anschaute.

Else erwiderte den „Guten Morgen“ und fragte ganz ungeniert: „Was ist mit dir, du bist ja so gut gelaunt. Hast du einen neuen Freund oder hat dir einer einen Heiratsantrag gemacht? Bist du für den Film entdeckt worden? Was ist los.“

In Claudias Gesicht schien die Sonne aufzugehen. Endlich konnte sie mit jemandem reden und ihre Neuigkeiten „an die Frau“ bringen: „ Also das mit dem Freund, das stimmt schon, aber für den Film hat mich keiner entdeckt und im Lotto gewonnen habe ich auch nicht.“

Else machte ihre Arbeit weiter und heuchelte Interesse. „Na, dann erzähl doch mal!“

In Wirklichkeit erwartete sie nicht viel Neues. Hatte sie doch schon viele Geschichten über gewonnene und verlorene Beziehungen von jungen Frauen gehört. In ihrer Euphorie bemerkte Claudia aber das Desinteresse der Kollegin überhaupt nicht.

Mein neuer Freund hat einen ganz tollen Job. Er arbeitet bei der Fa. Herodot als Fahrer für den Panzerwagen.“

Aha“, sagte Else. „Und was kann er sonst noch?“

Er hat sehr zuverlässige Einkünfte. Davon hat er mir erzählt. Mehr als er eigentlich dürfte, aber ich sag das ja auch niemand weiter.“

Else wurde etwas neugierig. Das durfte Claudia aber nicht merken, denn dann würde sie sich endlos bitten lassen, um das Geheimnis zu lüften.

Hm!“ Das war alles, was Else entgegnete, um Claudia herauszufordern mehr zu erzählen. Damit lag sie genau richtig. Claudia fühlte sich angestachelt, wenn jemand ihre Erzählungen anscheinend für nicht interessant hielt.

In dem Panzerwagen sitzen sie immer mit zwei Männern. Der Kollege neben ihm ist schwer bewaffnet.“

Ja, das ist wohl so!“, meinte Else scheinbar gelangweilt.

Claudia kam richtig in Rage: „Die sammeln am Wochenende meistens 5 oder 6 Millionen ein.“ Sie machte eine Pause, um die Wirkung auf Else abzuwarten. Als auch darauf wenig Reaktion zu bemerken war fuhr sie mit der Schilderung fort.

Was meinst du, was mit dem Geld passiert?“, fragte sie provokant.

Na, die bringen das zur Bank und weg ist es. Der Geldtransporter ist wieder leer.“

Da liegt ja grade das Geheimnis: Das machen sie nicht, jedenfalls nicht auf die Bank, wo das Geld eigentlich eingezahlt werden soll.“

Das zu verstehen schien Else nun doch ein wenig absurd. „Was soll das denn bringen, das Geld ist doch von den Geschäften in der Stadt und muss auf eine bestimmte Bank. Wenn da irgendetwas läuft kommt sofort die Polizei.“

Claudia machte eine Pause. Ganz verstanden hatte sie wohl auch nicht, wie der Trick mit der zweiten Bank funktionierte. Dann fuhr sie ein wenig unsicher fort: „Der Geldtransporter muss immer leer sein, wenn er ins Depot gefahren wird. Das ist klar. Wenn aber soviel Verkehr ist, dass keine Bank mehr offen hat, wird es umgeladen und kommt auf die Privatbank von den beiden Firmenchefs. Da bleibt es dann einen oder zwei Tage, oder über Wochenende.“

Else wurde ganz hellhörig, sagte aber scheinbar gelangweilt:“Und weiter, wo ist da das verbotene Geheimnis?“

So ganz genau habe ich das nicht verstanden!“ Claudia wurde etwas unsicher. Dann sprach sie zögernd weiter: „Die Geldsäcke werden umgeladen in Privatwagen. So kann der Panzerwagen leer ins Depot und mit dem Privatwagen fährt dann ein nicht bei Herodot angestellter Fahrer zur Bank. So ist auf den Konten der Firma immer viel Geld und die Firma bekommt Kredite oder so ähnlich.“

Na, ja“, meinte Else,“Kredite müssen aber immer zurückgezahlt werden. Fällt es denn nicht auf, wenn die Säcke oder Kassetten umgeladen werden. In der Stadt ist doch immer irgendwo was los?!“

So doof sind die auch nicht. Die machen das immer am Heldenplatz. Da sind an 2 Seiten hohe Mauern von der Druckerei und an der dritten und vierten Seite sind dichte Hecken und Büsche. Auch in der Mitte am Denkmal sind Bäume und Büsche. Wenn man an der einen Seite steht, sieht man nichts auf der anderen Seite. Es gibt nur eine Einfahrt.“ Claudia hatte sich doch allerhand Einzelheiten gemerkt. Dann fügt sie noch hinzu: „Erzähl das bitte nicht weiter. Eigentlich habe ich versprochen, mit Niemandem darüber zu reden.“

Von mir erfährt das keine Menschenseele, mit wem sollte ich darüber auch sprechen?“ Else glaubte zu diesem Zeitpunkt selber, was sie sagte. Es sollte aber ganz anders kommen.

Übrigens: Bei dem Baumarkt, der gestern oder vorgestern ausgeraubt worden ist, da war die Firma Herodot auch und wollte das Geld holen. Marko war aber nicht dabei. Er hatte eine andere Tour. Hast du gelesen, dass ein Neger dabei war?“

Man sagt nicht Neger, man sagt Afrikaner oder Farbiger. Man sagt ja auch nicht mehr Zigeuner.“ Während Else das sagte, kam ihr plötzlich die Gesichtsmaske in den Sinn, die sie Werner gegeben hatte. Sollte etwa der etwas damit zu tun haben? Dann verwarf sie den Gedanken wieder aber sie nahm sich vor, einmal mit ihm darüber zu sprechen und seine Reaktion zu studieren.

Um eine neue Information nebensächlich erscheinen zu lassen, fragte sie kurz nach: „Na und, war der Afrikaner ganz alleine? Woher weißt du überhaupt davon, in der Zeitung habe ich nichts gelesen.“

Es war gestern Abend in den Regionalnachrichten vom Privatsender.“ Nun hatte auch Claudia keine Lust mehr, irgendetwas zu erzählen.  Mit wenig Überzeugung fügte sie hinzu:“ Ein Reporter von denen hört immer Polizeifunk ab. Er kennt angeblich auch verschiedene Kodewörter.“  Woher sie diese Erkenntnis hatte ließ sie aber im Dunkeln. Else dachte bei sich, dass dort wohl auch einer ihrer Liebhaber zu finden gewesen sein könnte. 

 

 

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