17. Stremel: Zahltag

 

  1. Stremel: Die Zahltag

Von seiner Zeit auf verschiedenen Werften wusste Jan, dass auf jedem Schiff, das dampft und segelt ein Zahlmeister mitfährt oder mindestens jemand, der diese Funktion ausübt.

Während Jan den Dieter noch davon abhalten musste, sich gleich über das Zählen der Beute her zu machen, kam Werner durch die noch offene Haustür in den Flur zu Jans Wohnung.

„Dzień dobry kolegom!” Werner wollte wieder seine Sprachkenntnisse publizieren. Darauf platzte es aus Dieter heraus: „ Nun ist er endgültig bekloppt! Das hört sich an wie polnisch!”

„Mensch Dieter, wie hast du das erkannt?” Werner schien bestens gelaunt. „Wollen wir nun unser Zählen der Beute vorbereiten?”

Dieter wusste wieder nicht, was man vorbereiten sollte: „Wieso vorbereiten, wir machen 3 Haufen und jeder zählt seinen. Dann geht es los.”

„Was machen wir, wenn plötzlich Besuch kommt. Es kann immer jemand kommen und wenn es nur der Briefträger mit einem Einschreiben, der Paketbote, der eine Unterschrift haben will, ein Beamter wegen Volkszählung oder auch Zeugen Jehovas sind. Da sollten wir schon Vorbereitungen treffen, alles blitzschnell wegräumen zu können und nichts wieder durcheinander bringen zu müssen.”

„Ja, ja, unser Werner geht die Sache wieder streng wissenschaftlich an. Du stammst wohl tatsächlich noch aus dem Volk der Dichter und Denker…”. Jan fand die Angelegenheit belustigend.

Dann machte man sich daran, Werners Wünsche zu realisieren. Man stellte 3 Tassen auf den Tisch. Jan machte heißes Wasser, um schwarzen Tee aufbrühen zu können. Dann bekam jeder zwei kleine Plastiktüten und auf dem Tisch wurde eine große Plastiktüte und Jans angebrochene  Flasche Rum platziert. Eine Schranktür an den Küchenmöbeln wurde geöffnet und so viel Platz darin geschaffen, dass man alle Plastiktüten blitzschnell darin unterbringen konnte. Dann gab Werner noch einige Anweisungen: „Es ist wohl sicherer, wenn wir in 2 Durchgängen zählen: Zuerst sortieren wir die Scheine in Hunderter, Fünfziger, Zwanziger, Zehner und Fünfer.  Für jeden Schein gibt’s einen Beutel. Wenn das abgeschlossen ist können wir die leicht die einzelnen Scheine zählen, weil wir dann weniger durcheinander kommen. Sobald jemand an der Tür klingelt, werden alle Beutel in den Schrank geschmissen und jeder greift sich eine Tasse Tee.”

Die anderen beiden nickten und dann ging es los. Jan meinte noch: „Nun ist jeder von uns ein Zahlmeister.” Dabei grinste er Dieter an. Werner konnte mit dem Begriff nichts anfangen und mochte aber auch nicht fragen. Er beschloss für sich, den Ausspruch für eine plumpe Aufwertung der stupiden Tätigkeit des Zählens zu nehmen.

Am schnellsten füllte sich der Beutel mit den 50 Euro-Scheinen. Dann waren auch sehr viele Zwanziger dabei. Die Hunderter konnten sich auch sehen lassen in Bezug auf die Menge. Fünfer und Zehner wollten nur schleppend den zugedachten Beutel füllen.

„Können wir nebenbei auch einen kleinen Schluck Tee mit Rum verzehren?” Bei Dieter stiegt der Rumgeruch direkt ins Gehirn.

„Na gut” meinte Werner großzügig, obwohl es nicht sein Rum war den Jan hier aus geschenkt hatte. „Wenn die Tasse leer ist, dann gibt es aber nichts mehr bevor alles gezählt ist. Richte dich ein!”   Als Jan den Tee aufgoss bemerkte er wie zu sich selbst: „Von den 50 Euro Scheinen sind wohl schon ein Tausend Stück im Beutel. Das wären allein schon 50 Tausend. Ich bin gespannt, was da zusammenkommt.”

Gerade wollte er jedem einen Schluck Rum in den Tee gießen, als es an der Haustür klingelte. Jetzt sollte das ungezählte Geld in eine große Tüte, alles schon sortierte sollte in den Küchenschrank, ganz unten links. Nachdem Jan die Haustür geöffnet hatte, schaut er er durch seinen Türspion in den Flur. Dort standen anscheinend zwei Männer. Noch einmal schaute er zurück nach dem verstauten Geld und öffnete dann die Wohnungstür.

„Guten Tag, mein Name ist Peckermach, Polizeihauptmeister, ich hätte gerne Jan Draballer gesprochen. Dies ist meine Kollegin Sandra Murawe.”

Jans Gehirn musste jetzt gleich mehrere Dinge verarbeiten. Die zweite Gestalt im Hosenanzug war eine Frau und was wollte die Polizei von ihm? Er merkte wie sein Magen-Darm Trakt wieder zu rumoren begann. Zum Glück bemerkte Werner wie Jan blass wurde und sagte ganz verbindlich: „Ja kommen Sie doch bitte herein, wir wollten grade eine kleine Feier veranstalten. Nehmen Sie Platz”

Die Dame im Hosenanzug lächelte. „Wir wollen Sie auch nicht lange aufhalten, was feiern Sie denn?”

Die Frage konnte Werner nicht in Verlegenheit bringen. „Wir haben uns zusammen ein E-Bike gekauft. Heute will keiner von uns  fahren und genehmigen uns deshalb eine Tasse Tee  mit Rum. Das Ereignis ist zwar schon eine Wochen her, aber wir habe es nicht so dicke, wenn Sie verstehen. Wir müssen warten, bis wieder Geld rein kommt.”

Der Kriminalhauptmeister schmunzelte nun auch und meinte: „Auch ich will es kurz machen. Wir haben gehört, dass Sie Besuch von einem Schwarzafrikaner hatten. Kennen Sie den und wissen wo er wohnt?”

Jan hatte sich ein wenig erholt und stotterte verblüfft: „Da..da… das stimmt tatsächlich, werden wir überwacht?”

„Kennen Sie den Mann, wissen Sie wo er wohnt?”

„Nein, wir kennen den nicht. Aber unser Kollege, der Dieter ist gehbehindert und kann das E-Bike bei sich nicht unterstellen. Daher kommt er damit zu  mir und wir bringen das hier in den Keller. Wahrscheinlich hat der Mann das gesehen. Er wollte das Rad kaufen. Ich konnte es nicht verkaufen, weil es mir nicht allein gehört.” Jan hatte sich tüchtig zusammengenommen und ergänzte noch. „Vielleicht wohnt der ja hier in der Nähe, aber wenn Sie uns beobachten, dann wissen Sie das ja besser als ich.”

„Wir beobachten dieses Haus nicht. Aber auf der anderen Straßenseite wohnt eine Beamtin im Homeoffice  von uns. Die hat am vergangenen Donnerstag zufällig einen Schwarzafrikaner hier hineingehen sehen. Weil wir grade eine Straftat aufklären müssen bei der ein Farbiger beteiligt war möchten wir jeder Spur nachgehen. Haben Sie etwas an der Sprache des Mannes bemerkt.”

„Oh ja, der sprach gebrochen Deutsch. Man konnte ihn kaum verstehen. Seine Texte waren fast ohne Grammatik. Wie z. B. Ich kaufen Fahrrad, bitte.”

Werner sprang Jan bei: „Also ohne Deklination und ohne Konjugation.”

Die Polizistin wandte sich an ihren Kollegen: „Ob wir das Fahrzeug einmal sehen könnten?”

Jan stand auf und bot sich an: „Ich gehe gerne mit Ihnen in den Keller. Warten Sie, ich muss den Schlüssel …”

Weiter kam er nicht, denn Werner fiel ihm ins Wort: „Lass mich das machen. Du kannst inzwischen wieder heißes Wasser für den Tee aufsetzen. Es riecht hier zwar wie in der Kneipe, aber kalt möchte ich das nicht trinken.” Werner nahm den Schlüssel und ging mit den beiden Polizisten hinunter in den Keller. Beim Hinausgehen meinte der Polizeihauptmeister: „Wir bedanken uns schon mal bei Ihnen und alles Gute weiterhin. Es war nett,  mit Ihnen zu plaudern.” Werner schloss die Wohnungstür hinter sich und ging mit Polizeibegleitung in den Keller.

Dieter atmete spürbar erleichtert aus: „ Pah, wenn der Werner nicht gewesen wäre…”

„Wieso, dann wäre ich in den Keller gegangen. Kein Problem.” Jan wunderte sich ein wenig.

„Ja hast du den Schein denn nicht gesehen? Den Fünfziger auf dem Boden? Der muss beim Zählen heruntergefallen sein und ich habe schnell den Fuß draufgehalten.”

Obwohl die Gefahr vorbei zu sein schien, war Jan wieder in Schwierigkeiten. Er fühlte regelrecht wie er fahl im Gesicht wurde. Das hätte furchtbar ins Auge gehen können. Es hätte ja streng genommen nur bedeutet, dass einer von Dreien mit Geld nicht umgehen kann. Jan schien es aber ziemlich brenzlich gewesen zu sein. Nachdem der „flüchtige Fünfziger” sorgfältig in der betreffenden Tüte verstaut worden war klopfte es auch schon an die Wohnungstür und Werner wollte wieder hinein. Die Polizei war schon auf der Straße im Abmarsch. Man wartete noch,  bis das Starten des Autos zu hören war. Dann widmete man sich dem Rum, dem Tee und den Scheinen.

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