4. Stremel: Planlose Pläne

Als Jan wieder im Gastraum stand, hörte er wildes Geschrei aus der Seite, wo seine angebrochenen Getränke standen. Doro stand dort und fuchtelte mit einem riesigen Kochlöffel aus blankem Metall in Richtung eines Mannes. Der hielt sich eine Hand, auf die er wohl einen schmerzhaften Schlag von Doros Küchenutensil bekommen hatte.

Scheer dich sofort raus, du elender Lump. Ich geb` gerne mal einen aus, aber fragen kann man ja wohl noch. Diese Getränke gehören meinem Freund und wenn du noch einmal hier reinkommst, dann hau ich dir einen auf den Schädel und nicht auf die Hand!“

Als der Fremde Jan kommen sah, verließ er fluchtartig den Raum. Doro sah Jan und meinte: „Auf den Ärger muss ich auch erst mal was trinken. So ein Penner. Setz dich, Jan, wir stoßen an auf gute Geschäfte.“

Wieso weißt du…“, ehe Jan die Frage zu Ende brachte antwortete Doro: „Was du nicht weißt, macht dich nicht heiß, im Gegenteil, du bleibst am Leben.“

Na gut, dachte Jan. Frag ich nicht weiter. Aber eine peinliche Befragung durch irgendwelche Freunde von Fiete oder Schweine Erwin würde wahrscheinlich auch nicht mein Hobby werden. Dann erzählte er sich mit Doro Geschichten aus alten Zeiten und als Bier und Sekt leer waren, war es auch fast 8 Uhr Abends.

Vielen Dank für alles, Doro. Ich geh dann lieber nach Haus. Das Wetter war schon den ganzen Tag dunkel und der Wind scheint Sturm geworden zu sein.“

Ich verstehe das Jan; aber du musst versprechen, einmal wieder reinzuschauen. Wenn du kein Geld hast, komm gleich zu mir und wir reden, was wir machen könnten.“

Alles klar, Doro. Schönen Abend noch!“

Der Wind war tatsächlich zum Sturm geworden. Er rauschte in den wenigen Bäumen und machte seltsame Töne an einigen Dächern. Auch hörte es sich so an, als ob das Blechdach des goldenen Schellfisches eine besondere Melodie probieren wollte. Jan wollte sich beeilen, nach Hause zu kommen. Er musste aber auf den Weg achten, denn 2 mal war er schon gestolpert. Eine kleine Entfernung von vorn kam ihm eine ziemlich breite Gestalt entgegen. Er konnte nicht genau ausmachen, ob es Mann oder Frau war. Schon war die Angst wieder bei ihm. War es ein Gangster, der auch Geschäfte mit Fiete machen wollte? War es die Polizei, die ihn verhaften wollte. Hatte sie einen Tipp von der Ermittlerin bekommen. Jan versuchte, seine Gedanken im Zaun zu halten. Wenn ihn einer verraten hätte, konnte es nur einer sein, der selbst mit drin steckte. Die breite Gestalt kam näher und Jan erkannte 2 Frauen, die wohl zum Ausruhen oder Aufwärmen in den goldenen Schellfisch strebten und sich gegenseitig stützten. Besonders an ungeschützten Stellen konnte der Sturm einem den Atem rauben. Plötzlich knallte es wie aus einem Maschinengewehr. Die Fahne, die er schon auf dem Hinweg bemerkt hatte, knatterte wie ein Holz in der Fahrradspeiche nur viel lauter. All diese Geräusche schickten Jan in ein Wechselbad der Gefühle. Erst als er den Mühlenbach erreicht hatte, der kein Bach sondern eine Straße war, konnte er sich ein wenig beruhigen. Dort fühlte er sich etwas sicherer, obwohl es dazu keinen Grund gab. Auch dort konnten Ziegel von den Dächern fallen und ihn treffen. Aber so ist es nun mal: Die größte Angst ist die Unbekannte.

Er überquerte die Budapester Alle und war in der Moltkestraße angekommen. In seiner kleinen Pantry Küche setzte er sich einen heißen Ingwer Tee auf und nahm sich vor, einen großen Schluck Rum da hineinzugeben. Allerdings verwarf er den Gedanken wieder aus Furcht, mit seinem Getränkekonsum aus dem goldenen Schellfisch könnt ihm das zur Volltrunkenheit gereichen.

Aus übertriebener Vorsicht zog er alle Vorhänge seines Wohnzimmers vor, ehe er die Pistolen näher betrachtete. Die beiden Handfeuerwaffen waren nicht erkennbar manipuliert. Bei beiden war die R. Nummer noch voll erkennbar. Etwas älter schienen sie schon zu sein, aber man konnte sie einfach zerlegen, reinigen und wieder montieren. Es klemmte nichts. Jan dachte nach ob er den Freunden die Tatsache mit den abgeschliffenen Schlagbolzen erzählen sollte, oder ob er sie besser im Unklaren ließe. Jetzt würde er erst einmal die Pistolen wegpacken und er sah sich nach einem Versteck um. Es fiel ihm nichts besseres ein als beide in ein Geschirrtuch zu wickeln und in seinem Schlafzimmer auf den Kleiderschrank zu platzieren. Er schob sie ganz nahe an die Wand, damit niemand von unten etwas sehen konnte. Dann trank er genussvoll seine Tasse Tee und schaltete den Fernseher ein. Nach den 9 Uhr Nachrichten fand er nichts interessantes mehr und machte sich fertig zum Schlafen. Am kommenden Tag wollten die Freunde kommen und bestaunen, wie der Jan zum Waffenhändler geworden war. Ich brauche nicht nüchtern zu sein, dachte Jan, aber ausgeschlafen wäre sehr von Vorteil.

Am kommenden Mittag gab es bei Jan ein Fertiggericht mit dem Titel: Deftiger Eintopf. Deftig war daran der Wasseranteil, aber es machte satt. Diesmal war es keine Blechdose sondern ein hitzebeständiges Plastikteil. Aber auch da dauerte der Abwasch nur Sekunden. Der Löffel wurde wieder gespült und der Plastiktopf entsorgt. Jan wollte grade die Mittagsnachrichten anschauen als es schon klingelte. Die Kollegen standen vor der Tür.

Hallo Jan, hast Du Kaffee im Haus“, immerhin hatte Dieter hallo gesagt. Ansonsten war es eine recht formlose Begrüßung.

Also für 3 Tassen wird es noch reichen, für eine Hochzeit ist es wohl zu wenig!“ Jan wunderte sich, dass man nach Kaffee fragte, wo doch sonst immer der geschenkte Wodka der Favorit war.

Wir haben nämlich Kuchen geschenkt bekommen“, klärte Werner auf und nun wollen wir mal richtig wie bei Muttern Kaffee trinken.

Habt ihr den wirklich geschenkt bekommen, oder ist der irgendwo an euch haften geblieben?“ Zur Sicherheit fragte Jan nach. „Kommt doch erst `mal rein und setzt euch hin. Ich habe übrigens gestern eine Lektion in herrenlosen Gegenständen bekommen und weiß nun, wie man Besitz darüber erlangt.“

Eine Dame aus dem Altersheim hatte Geburtstag und viel zu viel Kuchen von ihren Enkeln bekommen. Da hat sie uns eingeladen und wir haben gefragt, ob wir stattdessen ein paar Stücke mitnehmen können. Da hat sie uns mehr gegeben, als wir heute aufessen können.“ Werner fasste es in wenigen Worten punktgenau zusammen. Dann aber fragte er neugierig: „Nun zeig doch mal unser Arsenal.“

Jan wollte gerne erst einmal mit Dieter abrechnen, damit er seine 600 Euro wieder bekäme, die für die Bewaffnung ja nicht ausgegeben wurden.

Ja Jan, zeig mal her den Kram. Bin schon sehr gespannt. Wie ging dir das denn in der Mördergrube?“ Dieter war sehr neugierig und wollte es auch nicht verbergen. Jan verstand das, denn schließlich war es sein Geld. Darum sagte er in die Runde:

Ich habe 500 Euro für 2 Pistolen Walter PP ausgegeben. Das war das einzige, was wir uns leisten können. Daher hat der Dieter noch 600 Euro, die ich hiermit zurück gebe. Bitte nachzählen Dieter.“

Während Dieter das Geld zählte, holte Jan aus dem Versteck die beiden Pistolen. Als er sie aus den Tüchern gewickelt hatte, spiegelten die Gesichter der anderen beiden ein wenig Enttäuschung wider.

Der Fie..“, beinahe hätte Jan den Namen erwähnt, aber dann bekam er noch die Kurve, „der Verkäufer hat mir versichert, dass es echte Waffen sind. Ich habe sie schon auseinander genommen und wieder montiert. So gesehen sind sie einwandfrei.“

Und was für einen Mangel haben sie, wenn sie so gesehen einwandfrei sind.“ Da war der Werner aber neugierig. „Und wo hast du die Munition?“

Wir brauchen keine!“ Jan ließ die Katze aus dem Sack. Einen Moment war es ganz still. Man hörte nur den Verkehr von der Straße.

Dieter griff nach einer der Waffen und stellte erstaunt fest:“ Mensch, sind die Dinger schwer! Nu sag aber mal, warum brauchen wir keine Munition?“

Es ist doch so, Leute: Wir alle haben keine Übung im Umgang mit Waffen. Eher wir einen von uns totschießen, lassen wir es lieber. Man kann auch jemanden Fremdes unbeabsichtigt erschießen. Die Pistolen sehen echt aus und sind echt. Jeder, auf den gezielt wird, muss damit rechnen, dass gleich der letzte Knall kommt, den er je hören wird.“ Langsam hellten sich die Gesichter der anderen beiden wieder auf. Jan fragte noch provokant: „Oder wollt ihr ein Blutbad anrichten?“ Das wollte keiner. Jan hatte aber noch etwas zu sagen: „Nehmt es nicht auf die leichte Schulter. Wenn ihr auf jemanden zielt und der ist selbst bewaffnet, dann seid ihr dran. Niemand – auch kein Fachmann erkennt, dass man mit den Waffen nicht schießen kann.“

Die Gesichter wurden jetzt ernster und Jan packte die Pistolen wieder in ihr Versteck. „Was meint ihr, wollen wir jetzt erst einmal Kaffee trinken wie bei Muttern?“ Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung.

Ich habe zwar 3 Tassen im Schrank, aber keine Kuchenteller. Ihr müsst schon mit normalen flachen Essgeschirr Vorlieb nehmen.“ Dieser Satz von Jan erzeugt eine gewisse Heiterkeit unten den Angesprochenen.

Wir werden dich nicht auf Komfort verklagen.“ Werner hatte auch gute Laune. Beim Kaffee trinken war Dieter ein wenig neugierig: „Nun erzähl doch mal was über den Handel in der Kneipe.“

Nee Dieter, es ist besser für Euch und für mich, wenn ihr nichts darüber wisst. Ich habe der Wirtin aber versprochen, wenn wir mal Geld in die Finger bekommen, dann komme ich mal mit Euch allen dort vorbei.“

Gut, gut, lassen wir das. Aber wo gehen wir denn nun hin und zeigen die Dinger vor, damit uns jemand Geld dafür gibt?“ Dieter hätte es gerne gewusst. „Und warum sind es nur 2 Ballermänner. Wir sind doch drei Leute.“

Einer muss ja nur gucken. Der braucht keine Waffe, das würde nur auffallen. Und ich würde vorschlagen, dass du das machst, Dieter.“ Jan blickte ihn fragend an. Ehe Dieter protestieren konnte fuhr Jan fort: „ Es ist ja möglich, dass 2 oder 3 Stufen zu bewältigen sind. Das wäre für dich eine Quälerei. Aber auf einer Parkbank sitzen und alles genau beobachten, dazu bist du genau der Richtige.“ Nun fühlte Dieter sich besser und er fragte nur noch:

Was macht ihr beide denn?“ Werner meldete sich auch zu Wort: „Wer geht denn nun rein zum Kassierer oder der Kassiererin und zeigt die Pistole vor?

wird fortgesetzt

 

 

 

 

3. Stremel: Im goldenen Schellfisch

3. Stremel: Im goldenen Schellfisch 

Auftragsgemäß machte Jan sich am Nachmittag auf “Zum goldenen Schellfisch”, einer dunklen Hafenspelunke. Das Gebäude lag nahe dem Ende jeder menschlichen Besiedlung im Bereich von  Rangiergleisen der Hafenbahn. Jan glaubte sich zu erinnern, dass es ein ehemaliger Lokschuppen gewesen sein sollte. Es regierte eine dicke Wirtin dort, welche wohl lange Zeit ein horizontales Gewerbe ausgeübt hatte. Sie selbst sprach aber davon, dass sie einmal als Tänzerin im – Muhlong Rutsche – gearbeitet habe, womit sie wohl das Moulon Rouge in Paris meinte .

Glaubte man den Gerüchten, dann war sie als sehr “durchsetzungsfähig” bekannt. Ihr Mann bekam regelmäßig Prügel, wenn er betrunken in die Kneipe kam.  Dort wollte Jan den Fiete treffen und  Waffen für die Opa- Gang besorgen.

Der Gastraum war eine ehemalige Kantine für Bahnarbeiter. Es standen noch immer längliche nackte Holztische aufgereiht im Raum. An jedem Tisch waren 6 Sitzplätze auf Holzbänken mit primitiven Lehnen aus einem einzigen Brett. An einer Wand sah man  4 große Industriefenster mit Sprossenscheiben. An der anderen standen als Deko zwei große Räder aus Metall mit roten Speichen und ein kleineres komplett in schwarz. Das schienen original Räder einer Dampflokomotive zu sein. Die großen Räder hatten blanke Stahlringe als Spurkränze. Jan fand das sehr dekorativ. Am Ende des Raumes war neben dem Ausschank eine Wand mit Türen. Wahrscheinlich waren es Toiletten oder Waschräume.

Der Geruch des Raumes war nicht einmal unangenehm. Wohl lag ein leichter Duft von abgestandenem Bier in der Luft, aber hauptsächlich roch es nach verschiedenen Parfums.

Da kam auch schon Dorothea, die Wirtin auf Jan zu. “Mensch Jan, dich hat man ja lange nicht gesehen. Warum kommst du nicht mehr? Sind wir dir nicht mehr fein genug?”

Sie roch, als habe sie gerade eben in Kölnisch Wasser gebadet und kam so dicht an Jan heran, dass eine ihrer riesigen Brüste seinen Arm berührte.

“Doro, ich wäre gern öfter gekommen, aber seit ich Rentner bin, komme ich grade so über die Runden.” Jan spürte in ihrem Atem einen leichten Duft nach Eierlikör oder Amaretto. Das konnte er nicht so genau mehr auseinanderhalten. Früher war er Experte gewesen in der Deutung von verzehrten Spirituosen nach Gerüchen im Atem. Mag sein, dass sie von beiden Spirituosen etwas genascht hatte.

“Ach Jan, das tut mir leid. Komm wir setzen uns an den Tisch da vorne und du erzählst mir alles von Deinem Kummer. Ich gebe einen aus.” Dorothea schien sich zu freuen, den Jan mal wieder zu sehen.

An einigen anderen Tischen saßen Frauen in aufgedonnerter knapper Kleidung und stark geschminkt in kleinen Grüppchen zusammen. Jan wusste, dass hier der Straßenstrich von der Budapester Allee zu Gast war. Die Frauen benutzten die Waschräume zum umkleiden oder schminken und tranken schnell mal im Winter etwas warmes, im Sommer was kaltes. An einigen Tischen saßen auch Männer oder ein Mann mit den Frauen, aber Männer allein waren kaum zu sehen. Die Tische waren auch höchstens zur Hälfte besetzt.

Doro kam wieder mit 2 halben Liter Weißbier und meinte munter mit ihrem platt eingefärbten norddeutschen Einschlag: “Ischa woll deine Lieblingsmaake. Nu erzehl aba ma. Prost!”

Jan nahm einen tiefen Zug. Man sah ihm an, wie lange er das vermisst hatte.

“Ja, weißt du Doro, ich wollte eigentlich den Fiete sprechen. Vielleicht will ich ja mal was kaufen. Ich komme im Auftrag von 2 Freunden. “

Doro zog die Augenbrauen und die künstlichen Wimpern hoch, dass diese fast den Haaransatz berührten: “Jan Daballer! Bist du denn total verrückt geworden? Geschäfte mit Fiete kannst du nur machen, wenn vorher feststeht, dass alles klappt. Ein Fehler und du bist ein toter Mann. Deine Kumpels wahrscheinlich auch. Glaub ja nicht, dass du Kredit kriegst.”

Ein wenig schien sie beleidigt zu sein. Sie starrte in ihr Bierglas.  Nach einer kleinen Pause fügte sie leise hinzu: ” Ich hatte gehofft, dass du meinetwegen gekommen bist. Wieder mal ein schönes warmes Stück Mutterfleisch befummeln…”

Jan sah seine Felle wegschwimmen und wollte was nettes sagen: “Doro, wenn es mir finanziell besser geht, dann komm ich wieder jede Woche zu dir. Ganz bestimmt. Dann holen wir alles nach. Was wird denn dein Mann dazu sagen?”

“Mach dir darum keine Sorgen. Um meine Männer kümmere ich mich selbst. Ich hab nur Sorgen um Dich. Man munkelt nämlich, der Fiete gehört einer   `ehrenwerten Gesellschaft` an. “

Natürlich wusste Jan, dass damit die Mafia gemeint war. Das brachte ihn für einen Moment ins Grübeln. Dann sagte er sich aber dass viele bei der Mafia,  Narkotika kaufen. Die Mafia wird ja nicht alle ihre Kunden umbringen. Dann meinte er lakonisch: “Doro, ich will bloß  was kaufen, bezahlen, abhauen und ende.”

Weil Jan mit dem Rücken schräg zu der Ecke des Raumes saß wo der Eingang war bekam er den gerade eintretenden Ankömmling nicht in den Blick. Doro konnte ihn aber genau sehen. Ein kleiner dicklicher Mann, höchstens einen Meter und fünfundsechzig groß, vielleicht 90 kg schwer mit rundem, fast lustigem Gesicht und einer Plastiktüte in der Hand ging quer durch das Lokal und setzte sich allein an einen Tisch in der Nähe der Türen. Es waren eine Menge Türen und wenn 2 zu den Toiletten führten, wohin würden die anderen wohl gehen.

“Das ist Fiete”, sagte Doro leise, “guck nicht so auffällig da hin.”

“Kann ich denn einfach so quer durch zu ihm gehen?”

“Warte, ich komme mit !” Doro stand auf und sie gingen beide durch den Raum auf den Tisch von Fiete zu.

Doro stellte Jan vor: “Das ist Jan, der früher öfter hier war, jetzt will er eventuell etwas kaufen.”

Fiete blickte nicht von seinem Handy auf. “Du wisst wat köpen? Wer het di to mi schickt?”

“Schweine – Erwin aus der“ Ankerwinde“”. Jan verstand Plattdeutsch, traute sich aber nicht zu sprechen. Dorothea verließ den Tisch. Sie wollte lieber nichts hören. Dann könnte sie  später auch nichts sagen.

Fiete schaute immer noch nicht hoch. Dann artikulierte er in akzentfreiem Deutsch: “Das ist eine gute Empfehlung. Hat er dich auch drauf aufmerksam gemacht, dass ich keine Spinner mag?”

“Ich mach  auch nur ehrliche Geschäfte: Hier das Geld, hier die Ware und weg. Keiner kennt den anderen oder hat ihn je gesehen.”

“Set di hen, mien Jung. Wir werden ins Geschäft kommen. Was brauchst du?”

“Ich wollte mal nachfragen, wieviel MP ich mir leisten kann. Am liebsten Häckler & Koch oder Beretta, zur Not auch Kalaschnikov”. Jan hatte ja keine Ahnung von Preisen.

“Eine Kalaschnikov kannst du schon für 5000Euro kriegen, die anderen sind teurer.  Braucht ihr auch Munition?”

“Verdammt, soviel hab` ich nicht. Ich brauch was billigeres. Was gibt es denn sonst noch was knallt und stinkt.”

Nach dieser Antwort schaute Fiete hoch und musterte Jan von oben bis unten. Dann meinte er: “Du bist eher die Walter PP Klasse. Vielleicht noch eine schöne Para Bellum. Auch eine alte 08 sieht immer schön gefährlich aus.  Du gefällst mir. Mein Angebot: 2 Stück Walter PP, die sind oft noch bei der Polizei in Gebrauch und 550 Euro für beide. Die Para bellum macht euch sowieso eure alten Handgelenke kaputt.  “

Jan brauchte einige Sekunden zum Grübeln. – “Sind die Magazine voll?” Damit wollte er ein wenig Sachverstand suggerieren.

“Die Schlagbolzen sind abgeschliffen. Man kann damit nicht schießen, also braucht das Magazin nicht voll sein. So viel mir der Schweine Erwin erzählt hat, wollt ihr nur jemanden erschrecken. Es ist für uns alle sicherer, wenn ihr niemanden damit erschießen könnt. “

Nun brauchte Jan noch mehr Sekunden zum Nachdenken. War es so wie Doro schon angedeutet hatte? Dass der Schweine – Erwin und der Fiete sich kannten war ja klar. Hatten die schon miteinander gesprochen? Waren die beiden Mitglieder eines Clans oder einer “Familie”. Dann sagte er tapfer: “Wenn das nur Museumsstücke sind, warum können die uns dann nützen?”

Fiete schaute nicht von seinem Handy auf. Was er wohl da interessantes vorhatte? Er sagte ganz ruhig, es klang wie beiläufig: “Es sind echte Waffen. Das erkennt jeder Fachmann. Das man damit nicht schießen kann, erkennt keiner. Wenn du die runterhandeln willst: 500 für beide und das ist meine letztes Wort.”

Jan nickte: “Na gut, wann kann ich die holen?”

Fiete blickte wieder desinteressiert auf sein Handy und murmelte: “Morgen um 16 hundert. Bring ne Tasche mit oder einen undurchsichtigen Beutel. Für Plastiktüten sind die Dinger zu schwer.”

16 hundert war der Ausdruck des amerikanischen Militärs für exakte Uhrzeiten. Wer weiß, was Fiete in seinem Leben schon angestellt hatte. Manche munkelten, er sei unehrenhaft aus einem Zivildienst in Rammstein von der Army verabschiedet worden. Wen könnte das aber in diesem Augenblick interessieren.

“Tschüss, Fiete, bis morgen 4 Uhr.”

Doro kam Jan entgegen und hakte sich bei ihm ein. Sie begleitete ihn zum Ausgang direkt vorbei an den großen eisernen Rädern mit den roten Speichen und dem blanken Rand.

“Na, besuchst du mich morgen wieder?”, fragte sie schelmisch.  Sie schien den letzten Satz gehört zu haben.

“Immer gerne”, meinte Jan.

Dann ging er nach Hause und fand seine Wohnung wie immer leer und still. Er schaltete den Fernseher an, um wenigstens etwas virtuelle Begleitung zu haben.  Es war fast 18 Uhr und die Nachrichten begannen. Überall in der Welt gab es Menschen, die in Armut und Elend ihr Leben fristeten. Manchmal dachte Jan, dass es den armen Leuten in Deutschland immer noch besser ginge, als jene, deren Bilder die aus Afrika, Asien oder Lateinamerika übertragen wurden. Aber es stand nun mal für ihn fest, dass nicht jeder in Deutschland für seine Lebensleistung gerecht entlohnt werden würde.

Besonders beeindruckt hatten ihn auch die Pflegekräfte im Altersheim, wenn er seine Freunde dort besuchte. Immer wieder waren es Frauen, die schwerste Arbeiten verrichten mussten, obwohl die eigentlichen Pflegefälle noch eine Stufe weiter in ein Pflegeheim verlegt wurden. Jan wollte sich nicht vorstellen, dass er einmal so abhängig von fremder Hilfe werden würde. Würden er und seine Freunde es einmal besser haben? Mit Waffengewalt?

Ganz überzeugt war Jan von seinem Waffenhandel nicht gewesen, aber es blieb ihm nichts übrig und als Spareffekt hatte er dann nur 500 Euro ausgegeben. Fiete hatte immer wieder betont, dass nur die Freundschaft zu Schweine-Erwin so einen günstigen Preis sich für Jan rechtfertigen würde. Was er ja erwähnte hatte,  dass alle beide Pistolen verkürzte Schlagbolzen hatten. Man konnte nicht mehr damit schießen.
Am folgenden Vormittag machte Jan einige Spaziergänge. Er wollte sich schon mal eine Bank ausspionieren, die einigermaßen einfach zu betreten war und nicht so unmittelbar im Zentrum gelegen war.
Es fehlte noch an einem geeigneten Objekt. Werner hatte sich erinnert, dass es bei einigen Banken als Service Karten gäbe, an denen jede Filiale der Stadt aufgelistet sei. Da man nicht mit einem Auto jede Filiale abfahren konnte, weil man eben keins hatte, kaufte Jan einen Stadtplan und schaute sich so in der Gegend um. Dort fand er schließlich in der Nähe des Zentralfriedhofs eine kleine Nebenstelle, die für den Anfang, sozusagen zum Üben gerade das richtige zu sein schien.

Zum Mittag gab es bei Jan eine Dose Fertiggericht “Ravioli”. Die brauchte er nur öffnen und in einem Topf mit  Wasser erhitzen. Dann aß er aus der Dose und hatte nur einen Löffel als Abwasch. Die Dose kam in den Mülleimer, der abgespülte Löffel in die Schublade und schon war wieder alles aufgeräumt.

Am Nachmittag machte er sich auf,  die Hafenstraße hinab zu den Rangiergleisen zu schlendern. Es war seltsam drohendes Wetter so, als wolle es in jedem Moment anfangen zu regnen. Auch der Wind frischte mächtig auf und zerrte an den Blättern der Büsche.  So dunkel, dachte er, und noch nicht einmal hab vier.  Ein streunender Hund lief auf einem Gleis, die Nase dicht am Boden. Er schien hungrig. Man konnte die Rippen durch sein kurzes Fell erkennen. “So wird es mir auch bald gehen”, murmelte Jan, “irgendwann werden wir auch den Boden nach Essbaren absuchen.” Um sich von trüben Gedanken zu befreien dachte er ein wenig an Doro. Sie war ja noch vor dem Gesetz verheiratet. Könnte Jan und Doro ein Paar werden, wenn er ihr in der Kneipe helfen würde? Den Gedanken aber ließ er gleich wieder fallen. Mit all den üblen Männern, mit denen sie  schon Kontakt gehabt hatte, mochte er dann doch nicht teilen. Trotzdem mochte er die wenigen glücklichen Stunden, die sie miteinander verbracht hatten, um nichts in der Welt aus dem Gedächtnis löschen.

Inzwischen waren es noch ungefähr einhundert Meter zum Goldenen Schellfisch. An einem Gleisübergang stand der Fahnenmast einer Speditionsfirma. Die Fahne flatterte im Wind und bei einer besonders heftigen Windbö knallte sie wie ein Peitschenhieb. Oder klang es wie ein Pistolenschuss? Abergläubisch war Jan nicht; er hielt sich jedenfalls nicht für abergläubisch. Aber waren das nicht alles böse Vorzeichen?  Jan versuchte, alle Ängste zu verdrängen. Es gelang ihm nicht ganz, das musste er sich eingestehen. Dann öffnete er die Tür zum goldenen Schellfisch.

Wieder schlug ihm der Geruch von verschiedenen Parfums in die Nase. Heute waren wohl wegen des schlechten Wetters mehr Tische mit Frauen besetzt. Doro konnte er nicht sehen und der Tisch von Fiete war noch leer. Der Duft von abgestandenem Bier war unterlegt mit ein wenig Whiskey – Würze.  Jan setzte sich an einen freien Tisch. Von einem anderen Tisch stand eine Frau auf und kam auf Jan zu: ” Na junger Mann, möchtest du mir einen ausgeben?”

“Nee, nix für ungut, schöne Frau. Aber in meiner Aktentasche sind keine gebündelten Hunderter. Vielleicht, wenn ich mal besser mit Mäusen drauf bin. ” Jan wies auf seine alte Aktentasche die er für den Transport der beiden Pistolen mitgebracht hatte. 

“Was hast du denn in deiner Tasche?” Jan musste immer damit rechnen, dass in solchen Etablissements auch verdeckte Ermittelnde von der Kripo herumlaufen. Besonders Frauen wurden oft eingesetzt, um Menschenhandel unter den Prostituierten  nachweisen zu können. Daher sagte er: ” Na, ja, es ist ein Geschenk für Doro, sozusagen.” “Du bist ein Freund von Doro?”

“Auf jeden Fall ein sehr guter Bekannter.” Ein wenig Klappern gehört zum Handwerk, dachte Jan. Die Dame ließ von ihm ab und wackelte mit ihrem Hintern zu ihrem Tisch zurück.

Der Fiete ließ sich immer noch nicht blicken. Es war schon deutlich nach vier Uhr. Jan überlegte, ob es eine Falle sein könnte. Vielleicht war Fiete selbst verdeckter Ermittler?  Grade überlegte Jan, das Lokal zu verlassen, als er Doro an der Theke sah. Wenigsten Sie war gekommen.  Dann hatte auch Doro ihn gesehen und kam auch prompt zu ihm herüber.

” Moin, Jan, mein Schatz, wartest du etwa auf den Fiete?”

“Ja, es wird schon ein wenig langweilig. Ich habe auch nur einen Heiermann (5 Euro) mitgekriegt zum verzehren. “

” Her mit dem Fünfer, ich bring dir was. Du brauchst ja nicht Auto fahren nachher, oder?” Doro machte ganz auf Geschäftsfrau. Das konnte sie auch richtig gut.  Ehe Jan einwenden konnte, dass er aber noch bei Verstand sein musste, wenn der Fiete endlich ankommen würde, hatte Doro schon den Weg zur Theke eingeschlagen. Nach einer kleinen Weile kam sie mit einem halben Liter Weizenbier und einer Flasche Sekt zurück.

” So, nun pass auf, mein Junge. Das Bier ist für dich – ist ja klar – und ich mach inzwischen die Flasche Schaumwein auf.  Dann trink ich ein Glas Sekt hier am Tisch mit und vergesse die Flasche beim Weggehen. Das ist für die Umsatzsteuer. “

“Mensch Doro, das kann ich nicht alles bezahlen. ” Jan bekam so etwas wie Panik. Doro konnte das in seinen Augen ablesen.

Doro erklärte gönnerhaft: “Du hast doch deinen halben Liter mit dem Fünfer bezahlt. Die Flasche Sekt gehört mir. Du findest sie geöffnet als herrenlose Sache auf dem Tisch. Wer sich eine herrenlose Sache aneignet erlangt Besitz über sie. Wenn du also das erste mal Bier und Sekt zu Dobbas gemischt hast, bist du Besitzer der Flasche. ” Doro war auch in Rechtssachen nicht ganz unbedarft. Dann fügte sie noch hinzu: “Ich muss mich jetzt um meinen Mann kümmern. Wir haben Argumente ausgetauscht, ich glaube, dabei ist seine Nase gebrochen. Mal schauen, ob es aufgehört hat zu bluten. “

Sie öffnete den Sekt, goss ein Glas ein und rauschte davon. Jan blickte ihr nach. Sie verschwand in einer der Türen an der Querwand, wo auch die Theke ihren Platz hatte. In seinem aktiven Arbeitsleben hatte Jan schon öfter den sogenannten Dobbas getrunken. Wenn er einen Liter Bier und eine dreiviertel Liter Flasche Sekt verzehrt hatte, hatte er immer so ein positives Bewusstsein gehabt. Er war nicht betrunken, aber voller Optimismus gewesen. Nun, dachte er, versuchen wir es einmal, goss etwas Bier in das Sektglas um Platz zu machen für die Mischung in seinem Weißbier.

Von Fiete war immer noch nichts zu sehen. Die Uhr ging auf halb 5 zu und der halbe Liter war halb leer. Trotzdem hatte Jan wieder die von früher bekannte positive Grundstimmung. Er hatte ja jetzt auch kein schlechtes Gewissen, diese Kneipe zu besetzen. Schließlich hatte er ein bezahltes Getränk vor sich stehen. Auch um 17 Uhr hatte er noch nicht die Panik, die er ohne die “Medizin” sicherlich gehabt hätte. Schließlich tauchte Doro wieder auf.

“Ich hab noch genug zu trinken”, meinte Jan. Doro antwortete aber in sehr bestimmten Ton: “Du kommst jetzt mit deiner Tasche eine Minute hinter mir her und gehst in genau die Tür, wo ich auch verschwunden bin.

Mit einem Schlag war Jan stocknüchtern. Die Angst vor allem Unbekannten war wieder da. Warum war Doro so ernst? Hatte sie etwa ihren Mann im Affekt tot geschlagen und Jan sollte bei Beseitigung der Leiche helfen?  Dran glauben müssen… Dieser Passus kam Jan ins Gedächtnis. Er musste jetzt dran glauben, dass Doro nichts Böses mit ihm vorhatte. Sollte er einfach durch die Tür gehen und basta? Sollte er vorher anklopfen und auf Herein warten? Sollte er jetzt lieber abhauen und alles beim Alten lassen?

Jan nahm einen großen Schluck Sekt pur und marschierte mit seiner Tasche unter dem Arm los. Jeder Schritt auf die ominöse Tür zu brachte neue Gedanken und Bedenken in sein Bewusstsein. Dann aber trat er ohne Anklopfen ein.

Hinter der Tür empfing ihn ein gedämpftes Licht. Eine winzige Glühbirne hing an der Decke und verbreitete eher eine abgemilderte Dunkelheit als eine Beleuchtung. Schemenhaft erkannte er, dass dieser Raum wohl ehemals eine Küche gewesen sein könnte.  Ein riesiger offener Gefrierschrank stand in einer dunklen Ecke. Die Funzel an der Decke schaffte es gerade, so etwas wie einen großen Herd, wohl über 5m lang und mindestens 2m breit, in der Mitte des Raumes aus der Dunkelheit zu schälen. Jans Augen schrien nach Licht und dann hörte er plötzlich aus einer der finstersten Ecken die Stimme von Fiete: “Kumm man her, min Jung! Häst du das Geld?”

“Ja, fünfhundert Euro Mark, kannst nachzählen”,  Jan versuchte auf die Stimme zu zugehen. Unvermittelt schaltete Fiete eine Wandlampe hinter sich an und Jan konnte sicheren Schrittes zu ihm gehen. Er legte die altmodische Aktentasche auf eine Art Tresen, hinter dem Fiete saß.  Dieser zählte 10 Scheine a 50 Euro und nahm die Tasche zu sich unter den Tisch. Sie war jetzt für Jan außer Sichtweite. Fiete bemerkte den fragenden Blick und beruhigte mit den Worten: “Es braucht keiner zu sehen, was ich dir in die Tasche packe. Im anderen Raum läuft nämlich eine verdeckte Ermittlerin herum. Die braucht nichts von unserem Geschäft zu wissen.  Wenn ich die Tasche wieder hoch gebe, darfst du gern reinschauen und die Dinger anfassen, aber nicht ans Licht raus nehmen.”

Ans Licht, dieser Ausdruck schien Jan schon sehr geprahlt. Er hob die Tasche ein wenig an und merkte schon am Gewicht, das etwas Schweres in der darin war. Eröffnete den Bügel und sah hinein. Dort lagen 2 Pistolen mit braunen Griffschalen auf schwarz brüniertem Stahl. Es roch ein wenig nach Ballistol oder anderem Waffenöl.  Er machte die Tasche wieder sorgfältig zu.

Unvermittelt machte Fiete das Licht aus. Aus dem Dunkel hörte Jan ihn sagen: “Neben mir hier ist eine Tür. Da gehst du raus und bist in der Herrentoilette. Kein Mensch beachtet dich, wenn du von da in den Gastraum kommst. Tschüss Jan und viel Glück.”

“Tschüss, Fiete, Danke für den Glückwunsch.”


2. Stremel: In der Ankerwinde mit Schweine-Erwin

2. Stremel: Schweine-Erwin

Jan hatte vom Dieter und vom Werner je 3,50 Euro bekommen und wenn er von sich aus den gleichen Anteil dabei legte, hatte er 10, 50 Euro zum Verzehr in der Spelunke. Er hoffte inständig, dass er den “Schweine-Erwin” treffen würde, dessen richtigen Namen er nicht kannte, aber er wusste aus seiner Werft zeit, dass dieser Mensch noch keinen Handschlag ehrliche Arbeit im Leben geleistet hatte, ähnlich wie manche Prominenten aus der Zeitung. Wovon Schweine-Erwin eigentlich lebte, konnte oder wollte niemand so genau sagen, aber ab und an ging er auf Staatskosten in “Urlaub” und da würde er bestimmt die richtige Auskunftsquelle für  Jan und seine Freunde sein.
Kurz nach 14 Uhr war Jan in der Kneipe weil er die Schichtzeiten der Schauerleute und anderer Hafenarbeiter  kannte,  und tatsächlich war Leben und Trubel in der Bude. Es stank wie immer nach Bier, Rauch, Schweiß und ein wenig auch nach Erbrochenem und in einer Ecke, die wohl schon seit 15 Jahren sein Stammplatz war, saß der Schweine-Erwin, eine massige Gestalt mit einem Gesichtsausdruck, der bei einem Fremden unhöfliche oder laute Schimpfworte im Keim ersticken würde.

Jan sah, dass auch Schweine-Erwin älter geworden war und sein Gesicht war gezeichnet mit tiefen Kerben und Falten. Jan konnte nicht deuten, ob es sich um Spuren von Trauer und Verbitterung handelte oder ob es Brutalität und Skrupellosigkeit, Hinterhältigkeit waren. Vielleicht war es auch nur ein Magengeschwür.
Der Erwin, wenn er denn so heißen sollte, erkannte Jan und dieser fragte nach einem “Moin, Erwin, was machst Du den so?” gleich mal ob der Erwin ihm denn mit einer kleinen Auskunft helfen könne.

“Mach schon das Maul auf und sag, was du willst!” meinte  Schweine-Erwin freundlich. Eine solide Bierfahne strömte mit den Worten aus seiner Richtung dem Jan entgegen.

“Ja, weißt du”, fing Jan vorsichtig an, “manche Leute erzählen über dich…”. Eine kleine Pause entstand.

“Na, was erzählen die über mich, spuck es endlich aus!” Erwin schien die Geduld zu verlieren. Jan fasste allem Mut zusammen und brachte mühsam einen Satz heraus: ” Manche denken, du kennst dich auch hinter dicken Mauern aus.”

“Na und? Du kannst ruhig lauter sprechen. Bin stolz drauf.” Beleidigt schien Erwin auf keinen Fall zu sein. “Musst Du denn auch bald rein? Hast` was ausgefressen?”

Jan fiel ein Stein vom Herzen. Hier würde er erfahren, was er brauchte.

” Nee, weißt, du, ich habe 2 Kumpels aus dem Altersheim und wir wollten mal mit ´nem kleinen Bruch was dazuverdienen.  Is schon `n tristes Leben so ohne Geld. Kannst gerne mitmachen, wenn du willst.”

Erwin zog die Augenbrauen hoch. ” Ich mach schon lange keine Brüche mehr, und Ihr seid doch viel zu alt, und ihr seid auch zu doof. Einen Bruch kann nur machen, wer 3 mal erwischt worden ist und mindestens 4 Jahre gesessen hat. Denn im Knast lernt man am meisten.   Eventuell ginge für euch noch `n kleiner Bankraub.  Habt ihr denn Kanonen? Könnt ihr was investieren?  Und was ist, wenn man Euch schnappt?”

Die  Antwort von Jan verblüffte Schweine-Erwin total . “Das wollen wir doch grade, damit wir den täglich Krampf um Miete und Essen, Heizung, Medizin endlich für immer los sind. ” Wenn Schweine – Erwin nach allem was er erlebt hatte noch einen Gesichtsausdruck des ungläubigen Staunens hervorbringen konnte, dann hatte er es jetzt vollbracht.

“Ihr seid völlig bekloppt!” entfuhr es Schweine-Erwin, unterlegt  mit einer besonders durchdringenden Bierfahne. Dann  antwortete er bereitwillig auf Jans diesbezügliche Fragen:  “Wasser und Brot als Vollnahrung gibt  es schon lange nicht mehr im Kittchen”, meinte Erwin, ” und je nach Laune der Anstaltsleitung kann man Zeitung lesen, Bücher ausleihen oder gar Fernsehen beantragen”.

Wobei in den Anstalten oft ein Gemeinschaftsraum zum Fernsehen war und man müsse sich mit den anderen Insassen auf das Programm einigen.
Ansonsten könne bei guter Führung auch mit Freigang rechnen oder andere kleine Vergünstigungen bekommen. Ärztliche Versorgung gebe es auch,  aber halt nur “Karo Einfach” wie heute bei den Rentnern der Krankenkassen. Wer einen Gottesdienst besuchen wolle, könne jeden Sonntag singen: Bis hierher hat mich Gott gebracht in seiner großen Güte….”Bin selbst nie hingegangen, aber mein Zellenkumpan hat mir `s erzählt.”

Jans Unterhaltung mit Schweine-Erwin erwies sich als äußerst informativ. Er erfuhr nicht nur vieles über das Leben in verschiedenen Gefängnissen, ihm wurde auch abgeraten, einen Einbruch in eine Tankstelle, Bank oder einen Kiosk zu begehen. “Dort ist nicht viel zu holen und schließlich seid Ihr viel zu alt, um noch solche körperlichen Anstrengungen auf euch nehmen zu können!”

Dann gab es noch den kostenlosen Tipp, für einen Bankraub die Waffen zu besorgen : “Wenn ihr ne Kanone braucht riecht mal in “Zum goldenen Schellfisch” rein.  Dort fragts Du  nach Fiete, der ist  zwar Rumäne und heißt ganz anders, aber weil er plattdeutsch kann, nennen ihn alle Fiete . Sag ihm, dass der Schweine-Erwin dich schickt. Sonst kriegst du nichts oder viel zu teuer.” Dann würde er anständige Preise für seine Bewaffnung bekommen. “Der Fiete ist nämlich ein Schlitzohr, der bescheißt jeden nach Strich und Faden.”

“Den Goldenen Schellfisch kenne ich. Die Wirtin war damals Dorothea. Wann ist der Fiete denn immer dort?”, wollte Jan wissen.

“So, so, die Wirtin war  Dorothea?” Erwin hob die Augenbrauen. – ”  Doro ist immer noch Wirtin da. Wenn der goldene Schellfisch um drei aufschließt, bleibt Fiete  bis ein Uhr nachts. Er wickelt dort seine kompletten Geschäfte ab. Nicht nur Ballermänner, ab und an auch Stoff oder anderes Zeugs.  Gültige Papiere und so…Egal, was du brauchst: Reisepass Zypern, Führerschein Ukraine, Kontoauszug Malediven über 5 Millionen US Dollar, er besorgt einfach alles. “

Erwin war richtig in Fahrt und kam mit einer ganz anderen “Geschäftsidee” heraus:

” Ich bin jetzt nämlich hauptsächlich im Wodka Geschäft. Du kannst im Abschiebebahnhof (Altersheim) für mich in Kommission verkaufen oder für meine Qualitätserzeugnisse werben. “

Jan schaute verdutzt. Wodka? Woher hatte Schweine-Erwin so viel Wodka? Aber der hörte gar nicht mehr auf: “Ich geb` dir jetzt `ne Literflasche zur Probe mit. Umsonst! Die super Ware bekommst du von mir für 4 Euro den Liter. Wirst du glatt für 10 Euro los. Mehr als die 6 % kann ich dir aber nicht geben.”

Als Jan über diese Berechnung sehr skeptisch dreinschaute setzte Erwin noch einen Nachsatz, um Jan vollends zu überzeugen: “Das ist ein Jahrhundertgeschäft, ohne Risiko und fast ehrlich. Wird in einer sauberen Destille in Bulgarien gebrannt. Und dann solltet ihr noch bedenken, wenn einer geschnappt wird und den Fiete verrät, der ist ein toter Mann. Die Wodka – Geschichte ist dagegen harmlos. Der Staat ist der einzige, der geschädigt wird;  und der hat ja auch dich geschädigt.”

Mit vielen Dankeschöns nahm Jan die Flasche hochprozentigen Wodkas und eilte nach Hause. Nicht einmal das komplette Bewegungsgeld von 10,50 Euro hatte er gebraucht, denn sein Bier kostete nur 3 Euro 20 und der Schweine-Erwin hatte noch eine Runde geschmissen, wobei er auf gute Zusammenarbeit anstoßen wollte.
Das konnten jedoch wohl noch nicht alle Informationen sein, die man für so ein kompliziertes Vorhaben wie einen Bankraub braucht.

Trotzdem war es eine unglaublichen Fülle von Erkenntnissen mit der  Jan aus der “Ankerwinde” gekommen war, und kaum konnte er das Zusammentreffen mit den Kollegen abwarten, damit er alles brühwarm erzählen könne. Außerdem musste er auch immer noch über Schweine-Erwins Wodkageschäft nachdenken. Wenn sie nur eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse wollten, dann genügte ja ein ständiges ausreichendes Einkommen, wozu dann noch Bankraub?  Die Freunde hatten vereinbart, dass sie sich nun entweder auf einer einsamen Stelle im Stadtpark treffen würden, oder bei Jan in der Wohnung, denn nicht jeder musste unbedingt mitbekommen, was die Opas beredeten. Beim schönen Wetter am nächsten Tag saßen sie nun im Stadtpark und genehmigten sich nach langer Zeit einen Schluck aus der geschenkten Wodkaflasche, die sie wohlweislich vor anderen Besuchern des Parks in einer Aktentasche versteckt hielten. Jan eröffnete die Diskussion:

“Der Schweine-Erwin meinte, im Knast ist es so ähnlich wie im Altersheim. Nur da bekommt man überhaupt kein Geld in die Hand, kann höchstens ein paar Cent verdienen und davon Bonbon oder Tabak kaufen.” “Und Wodka?” fragte Werner. “Wodka gibt es im Gefängnis nicht. Jedenfalls kann man ihn nicht kaufen. Der Erwin hat eine tolle Geschichte über selbst gebranntes Zeug erzählt, aber ganz bin ich da nicht hinter gestiegen. “

Dieter meinte: ” Wir haben doch auch schon mal Wodka getrunken. Ist es sowas? War doch gar nicht schlecht.”

” Ja” , meinte Jan, ” das sind die Etiketten von der russischen Standard – Marke. Die kleben Erwin und seine Kumpane auf selbst gebrannten Kartoffelschnaps. Den sollen wir dann im Altersheim weiter verkaufen.”

Zweifelnd meinte Werner: ” Ich kann mir nicht vorstellen, dass das klappt. Wir sind bei uns im Altersheim vielleicht 10 Männer, die einen Schluck vertragen würden. Vier liegen ständig im Bett. Von den 30 alten Frauen werden eine oder zwei auch mal Alkohol trinken. Wenn wir aber viel verkaufen wollten, müssten wir auch andere Altersheime, wie z. B. in der Rabenbergstraße abklappern. Wie sollen wir aber so viele Flaschen schleppen? Woher sollen die anderen Bewohnenden das Geld für Schnaps nehmen. Und die Flaschen müssen sie ja wohl vor der Heimleitung verstecken. Denn den anderen Bewohnern geht es nicht viel besser als uns.”

Je länger aber Jan über die Bedingungen im Gefängnis und über den Waffenhändler erzählte, desto mehr verwarfen sie das Wodkageschäft. Werner meinte druckreif: “Unsere zu erwartenden Strafen beim Verkauf von illegal gebranntem Wodka würde wohl nicht für eine staatliche Versorgung bis ans Lebensende ausreichen. Wir würden einfach nur zu kurzen Haftstrafen verurteilt. “

” Du hast ja recht. Wenn wir dann wieder rauskommen, dann sind wir schlechter dran als vorher. Dann bekommen wir nicht einmal eine Mietwohnung und können auf der Straße kampieren. “

Das gab Jan zu bedenken und Dieter nickte vielsagend um dann den einzig gangbaren Vorschlag zu präsentieren.

“Wir müssen eine Bank überfallen. Mit Bewaffnung. Das hilft alles nichts.”

Nach dem zweiten oder dritten Schluck Wodka schienen ihre Pläne greifbar nahe, vielleicht sogar einfach.  Es konnte doch nicht so schwer sein, in die Bank hineinzugehen, alles Bargeld zu fordern und wieder hinauszugehen. Man müsse halt nur die richtige Bewaffnung dabei haben, solche, die auch Eindruck schinden würde.

Einige Male kam auch die Rede auf die gegenwärtigen Lebensbedingungen. War es wirklich mit dem Strafvollzug vergleichbar, was sie heute in Deutschland erleben mussten?  Werner meinte aber vom Theater her zu wissen, dass es auch in der Vergangenheit oft Bestrebungen von unterprivilegierten Personen gegeben hatte, wenigstens im Winter ein warmes Quartier zu haben, indem man ins Gefängnis ging. Er erinnerte an einen Film mit dem Titel: Im Kittchen ist kein Zimmer frei.

Warum sollte diese Methode nicht auch für ein bequemes Lebensende funktionieren? Schließlich sei es Generationen von Bankräubern gelungen, warum grade ihnen nicht. Die einzige Hürde bestehe in der Schwierigkeit, wenigsten 3 Schießzeuge besorgen zu müssen, denn Schweine Erwin hatte angedeutet, dass eine MP wohl nicht unter 5000 Euro “unter Brüdern” zu haben sei. Für eine Munitionierung würde fast  nochmal der gleiche Betrag fällig werden usw. usw.
Zur Zeit kamen sie sich vor wie jener Bettler ohne Arme, der von einem gutmütigen Passanten eine alte Gitarre geschenkt bekommt, damit er sich etwas dazuverdiene.
Nach dem dritten Wodka offenbarte  Werner, der früher Komparse beim Theater gewesen war, ein Geheimnis:

” Ich habe  1100 Euro vor dem Sozialamt versteckt , sozusagen als eiserne Reserve für Notfälle oder geschäftliche Gelegenheiten. Das Geld steckt in einem Laptop, den mein Sohn mir vor seinem Auswandern geschenkt hat. Für Notfälle hat er gesagt. So ein Fall scheint nach meinem Gefühl nunmehr eingetreten zu sein und ich erkenne keinen Grund, warum ich  nicht als Teilhaber und Finanzier einspringen sollte.”

Verblüfft  schworen Jan und Dieter , dass er von der ersten Beute seine “Einlage” zurückbekommen würde und so gingen alle froh und beschwingt nach Hause und die Literflasche war kaum halb leer.
Es ist doch schön, wenn man in seinem alten Beruf noch einmal so richtig in die Vollen schreiten kann. Oder wie unser Lehrherr damals immer sagte, man weiß nie, wozu man dieses oder jenes Wissen noch einmal gebraucht.

Beim nächsten Treff war von der Wodkaflasche  noch mehr als die Hälfte übrig. Das Wetter war aber feucht und kühl, und so musste man in der Wohnung von Jan die letzten Einzelheiten besprechen. Der Fußmarsch dorthin war nicht so einfach, denn der Dieter war leicht gehbehindert und selbst die zwei oder zweieinhalb Kilometer bereiteten ihm erhebliche Schwierigkeiten. Der Arzt hatte ihm gesagt, es sei nichts Schlimmeres – nur ein wenig Schmerzen werde er haben. Es konnte also auch daran liegen, dass er einfach nicht genug Bewegung hatte.

 

Nachteile vermeiden wenn UK nicht mehr EU ist.

Vermeiden Sie Nachteile im UK, wenn Sie keine EU Bürger mehr sind.

Kohle und Öl sind outAls EU Bürger können alle Menschen mit britischem Pass noch ohne Probleme Grundstücke und Häuser in Deutschland kaufen. Es geht sogar mit Bargeld, aber der deutsche Zoll kontrolliert natürlich die Herkunft des Geldes.
Eine lohnende Investition nach dem Brexit in Deutschland wäre der Kauf von Ferienwohnungen in der Tourismus Region Nordfriesland, Schleswig-Flensburg. Es ist die Region, wo einst die Wikinger ihre Handelsrouten begannen. ( Haithabu, Hedeby, Heathaby)
Auf der Westseite haben wir die Nordsee mit unzähligen Unterkünften, auf der anderen Seite ist die Ostsee mit nicht weniger Domizilen. Im Angebot sind Objekte von ca. 100000 bis mehrere Millionen Euro. Die Lage und die Ausstattung spielen eine Rolle.
Bedenken Sie, dass bei Erwerb einer Immobilie in einer geschichtsträchtigen Gegend ihr Geld nicht weniger wird, sondern im Laufe der Zeit der Wert des Grundstückes steigt. Objekte, die zu Zeiten der DM 200000 DM kosteten werden heute zu 500000 Euro angeboten. Berühmte Ferienplätze wie Sylt, St. Peter Ording, Dagebüll bringen es auf Vermietungen von bis zu 250 Tage im Jahr. Das generiert Mieteinnahmen, die mit einfacher Vermietung nicht zu erzielen wären. Es gibt also gleich nach dem Investment schon laufende Einkünfte.

Wir arbeiten seit fast 30 Jahren in dieser Region als Betreuer von Ferienwohnungen für Kunden aus ganz Deutschland. Wir sorgen für die pünktliche Reinigung der Unterkünfte, für Handwerker bei Reparaturen, für Bettwäsche und sind Ansprechpartner für viele Belange der Urlauber, die Fragen aller Art haben. Wenn Sie investieren wollen und fragen haben, dann machen Sie eine Notiz im Gästebuch.

Knast statt Altersheim 17

Else, Dieter, Werner und Jan hatten ihren großen Coup ausgiebig gefeiert. Ausgiebig war, was man in dem Alter als ausgiebig nennen konnte. Die Männer tranken bei dem Essen im Schwarzen Stier zwar jeder ein großes Bier und Else ein Gläschen Rotwein, aber ein großes Besäufnis wollte man sich nicht leisten, schon aus Vorsicht vor unbedachten Äußerungen in der Öffentlichkeit. Knast statt Altersheim 17.
bescheidene Feier
Eine Woche später hatte man zwar die Artikel in den Zeitungen verfolgt, wo man über das Verschwinden der gesamten Ladung des Panzerwagens berichtet hatte. Es seien keine Beschädigungen am Fahrzeug festgestellt worden und nur Fingerabdrücke und DNA Spuren der Fahrer konnte man berichten und die Geldsäcke blieben mitsamt Inhalt verschwunden.
Was die Polizei und die Presse nicht wissen konnte, werde ich jetzt dem geneigten Leser verraten: Die Geldsäcke wurden vom Werner in den Restmüllcontainer eines Autohauses geworfen und landeten so ohne weiteren menschlichen Kontakt auf einer Müllverbrennungsanlage. Ich denke mal, bis zum jüngsten Tag werden sie als Abgase und Asche in unserer Welt ohne weitere menschliche Behandlung verbleiben.
Die nächste Sorge unserer Protagonisten war die Legalisierung ihres Reichtums. Sie konnten das Geld nicht einfach mit vollen Händen ausgeben. Das wäre über kurz oder lang die sichere Festnahme geworden. So überlegt man, ob man über den Bodensee das Kapital in die Schweiz bringen solle. Dort könne man trotz des geplanten Abkommens mit dem deutschen Fiskus immer noch anonym bleiben, wenn man ein Teil des Geldes versteuere. Danach wäre dann ein problemloser Zugriff auf die Moneten möglich. Ein anderer Vorschlag war, einen Internetshop aufzumachen und langsam einen immer höheren Scheinumsatz zu generieren, das im Ringverbund, also einer kauft beim anderen, wie es auch große Konzerne machen, und damit dann nach und nach einen Teil des Geldes versteuern und so waschen. Wenn jeder vom seinem Kumpan Rechnungen in ähnlicher Höhe bekommen würde, wäre das Kapital auch auf lange Sicht völlig legal. Man brauche ja nicht viel, um sich ein wenig Luxus zu gönnen.

Man hatte auch noch einige Inseln, die als Steuerparadiese bekannt waren im Visier, darunter auch Zypern, wo viele Banken Bargeld in fast jeder Höhe entgegennehmen würden. Aus der CDU Spendenaffäre hatte man auch von Liechtenstein gehört, aber alles überzeugte nicht so richtig. Schließlich wollte man mit einem Flohmarkt beginnen. Auf Flohmärkten fragt man selten nach Gewerbeschein oder ähnlichen Dokumenten und zur Not könne man ja ein Kleingewerbe anmelden. Das Einzige Hindernis sei, man müsse ja irgendwie mobil sein, um Flohmarktwaren im Sperrmüll einzusammeln und dann damit die Märkte beschicken. Man muss sich etwas einfallen lassen bei Knast statt Altersheim 17.
Else meinte, man dürfe nun nicht einfach einige 50 Euro Scheine nehmen und sich ein Last Taxi mieten, sondern man sei ja übereingekommen, so weiter zu leben wie bisher. Also müsse man jemanden fragen, der mit einem erst die Sperrmüllbezirke abfahre, damit man „Handelsware“ bekäme und dann auch Sonntags die freien Flohmärkte anfahre, damit man seinen Stand aufbauen könne und am Abend wieder abgeholt werde. Man fand schließlich einen Studenten, der ein Auto hatte und sich etwas zuverdienen wollte. Mit dessen Auto und seiner tatkräftigen Unterstützung fuhr man erst die Sperrmüllhaufen ab und landete dann Sonntag für Sonntag auf dem Flohmarkt.
Da man meistens nur Sonntags einen Markt beschicken konnte, dauerte es doch recht lange, bis man einige Tausender „legalisiert“ hatte, indem man bei der Abrechnung am Abend einfach ein Bündel des gestohlenen Geldes mitzählte und so aus einem Umsatz von 100 Euro eine Einnahme von 2 oder 3 Tausend machte. Das gefiel dem Studenten auch obwohl er nicht ahnte, wie diese hohen Umsätze zusammen kamen, wollte er es doch auch einmal probieren und auf eigene Rechnung und Gefahr eine solches Flohmarktgeschäft aufmachen.

Elise hatte über alle Einnahmen und Ausgaben minutiös Buch geführt und nun musste man wohl oder übel von dem schon legalisierten Geld einen gebrauchten Kombi kaufen, der übrigens auf dem gleichen Flohmarkt angeboten wurde, um weiterhin im Geschäft zu bleiben. Das sollte sich als ein wahres Schnäppchen erweisen.
Auf dem Kriminalhauptamt der Stadt kam man mit den Ermittlungen zum Mord an dem Kombifahrer auch nicht recht voran. Die beiden Fahrer des Geldtransporters mussten schließlich aus der Haft entlassen werden, denn man konnte ihnen höchstens grobe Fahrlässigkeit nachweisen. Einen Vorteil von dem Zinsgeschäft ihrer Vorgesetzten hatten sie nachweislich nicht gehabt. Der Privatdetektiv hatte für den wahrscheinlichen Zeitpunkt der Tat ein Alibi in einem anderen Fall, wo er mit einem Kollegen eine Scheidungssache observiert hatte. Den im Kombi gefundenen Zettel von den Geldsäcken hatte er nicht an die Polizei gegeben, weil der Herr Mommer die Herausgabe gefordert hatte, um ihn zu vernichten. Bis dato verlief alles im Sande bei Knast statt Altersheim 17.

Knast statt Altersheim (13)

Oh, oh, der Abschnitt Nr. 13. Hoffentlich geht das gut! So geht es nun weiter mit dem Knast statt Altersheim:

Jetzt hatte Else den Versuchsballon gestartet und war gespannt, was denn nun daraus werden würde. Die Kollegen von der “Zunft” aber waren nun in Aufregung. Was sollten sie tun? Eigentlich wollten sie ja ursprünglich in den Knast, damit die Kosten für den Alltag, besonders das Gesundheitswesen, nicht überhand nehmen konnten und sie eventuellen Erben nichts als Schulden hinterließen . Nun aber lag ihnen doch etwas an der Freiheit und das Wissen um den heimlichen Schatz machte die Bewegungsfreiheit irgendwie erstrebenswert, wenn auch zur Zeit nichts von dem Geld in Umlauf gebracht wurde.

Der Werner als ehemaliger Kollege der Else sollte diese nun einmal zum Essen einladen und dabei in Erfahrung bringen, was sie denn nun eigentlich wisse und was sie bezwecke. Man konnte sich schon denken, dass Else 1 und 1 zusammenzählen konnte, aber wusste sie außer den Charaktären der Schminkanstrengung noch andere Fakten?

Der Werner bekam 200 Euro aus der Beute und sollte nun ein gutes Restaurant aussuchen, ein schickes Abendessen und möglichst alles über die Absichten von Else erfahren. Man wählte das Patio, eine ehemalige Künsterkneipe, die inzwischen ins Schickimicki Millieu abgeglitten war und nun für denkbar einfache Gerichte und Wein aus dem Tankwagen horrende Preise kassierte. Werner wählte eine Zeit, in der eigentlich nicht soviel los sein dürfte, denn es war ihm schon klar, dass Else von verschiedenen Kollegen erkannt werden könnte.

Nach dem Dessert, einem einfachen Pfannenkuchen mit etwas Marmelade und einen Klecks Schlagsahne, der als Paradies-Palatschinken angepriesen war, fasste sich der Werner ein Herz und fragte ganz unvermittelt, wozu Else dann 5000 Euro gebrauchen würde. Sie meinte völlig unerschrocken, dass sie ja auch nicht jünger würde und so habe sie den Plan gefasst, sich noch einmal selbstständig zu machen und im fortgeschrittenen Alter den Laden zu vermieten. Dann wolle sie von mit der Miete ihre Rente aufbessern.

Nun wollte der Werner wissen, ob Else denn eine Ahnung habe, woher das Geld stammen könne, wenn sie es denn von ihnen bekäme. Else meinte daraufhin, sie glaube es zu wissen, es sei ihr egal, und wenn es einen neuen Job in der Art gäbe, dann würde sie gerne mitmachen, damit die Kumpel nicht befürchten müssten, bis an ihr seelig Ende von ihr erpresst zu werden.

Reformen German health care system: Enter on own risk!

Nach diesen Auskünften schien den 3 Freunden, als würde alles besser laufen als ursprünglich gedacht. Wenn Else nun Mittäter wäre, brauchte man um ihre Verschwiegenheit nicht mehr fürchten, wenn man sich auch wunderte, wie eine so rechtschaffende Person im letzten Abschnitt ihres Lebens noch so auf die schiefe Bahn geraten konnte. Andererseits konnte man durch eigene Erfahrungen verstehen, dass sich Leute in diesem Alter auf vielfältige Weise betrogen fühlten, nicht so sehr durch die Umstände als eher durch falsche Versprechungen.

Schon eine Woche später saß man zu viert am hellen Vormittag in einer öffentlichen Kantine bei Kaffe und Brötchen und besprach das Vorgehen bei dem nächsten Job mit dem Geldtransporter. Wie konnte man es anstellen, den neutralen PKW und den Panzerwagen zu trennen und dann in Ruhe das Geld freiwillig ausgehändigt zu bekommen. Klar war, dass man weder Waffengewalt noch körperliche Gewalt, mit der man sowieso unterlegen war, anwenden wollte. Auch Sprengstoff oder Narkosechloroform schieden aus, denn man kannte sich in der Handhabung überhaupt nicht aus. Ein oder zwei Autos zu stehlen und den nachfolgenden PKW zu blockieren erschien auch sehr riskant, weil man auch darin keine Erfahrung hatte. Es schien wirklich nur einen einzigen Weg zu geben, den man aber vorher genau planen musste. Es blieb nur noch der alte Grundsatz: Tarnen und Täuschen.

Die ganze Sache nimmt dann noch eine überraschende Wendung, aber dazu im neuen Stremel mehr.