Von der Maas bis an die Memel

Die Strophe des Deutschlandliedes ist irgendwie überholt. Müsste es doch eher heißen: Von östlich der Maas bis an die Neiße, vom Allgäu ans Lister Tief, statt von der Maas bis an die Memel. Was man mit den verschiednen Liedern alles erleben kann, zeigt diese bitterböse Satire. Hintergrund: Es gibt demnächst ein Gesetz gegen die Diskriminierung und eines gegen die Versammlungsfreiheit bestimmter Gruppen. Andere Gesetze belegen Symbole, Worte und Inhalte mit Tabu. Lesen Sie doch selbst:

Erster Stremel: Frau Flittner heiratet.

In meiner kleinen Einliegerwohnung hatte lange die Frau Flittner gewohnt. Eine ruhige und freundliche Mieterin. Sie spielte ab und an Musik CDs und dann bekam ich schon mal ihren Geschmack mit. Wenn ich z. B. hörte: „The moon was the only light“ oder „Mambo Number five“ oder „killing me softly“, dann dachte ich oft: Mensch die jungen Leute, die können wohl alle perfekt englisch.

Bild:Wer die Wahl hat, hat die Qual

Erst als sie auszog, weil sie heiraten wollte, erfuhr ich, dass sie überhaupt keine Fremdsprache könne, außer plattdeutsch – und dass sie die ausländischen Sachen nur wegen der guten Musik hörte. Na sei`s drum. Jedenfalls suchte ich nun einen neuen Mieter, bzw. eine Mieterin.

Zweiter Stremel: Der neue Mieter

Da kam eines Tages ein junger Mann auf meine Anonce im Tageblatt, der sich als Rrrichard Frrrreiherr von Dünnbrrrrett vorstellte. Er interrrressierrrre sich fürrrr die Wohnung und möchte den Mietprrrreis errrfahrrrren, sagte er mir, wobei er das R furchtbar rollte. Irgendwie hatte ich sein Gesicht schon mal in der Zeitung gesehen. Da trug er ein Plakat mit der Aufschrift „Deutschland den Deutschen“ und hatte eine ganze Schar von Mitträgern um sich versammelt.


Bild:Auch Behörden müssen mal irren dürfen.

Auch schien er mir etwas unheimlich, und ich sagte:

“ „Tja, Herr von Dünnbohr, ich fürchte, du machst mit deinen Nagelstiefeln meine Auslegeware kaputt. Lass mal lieber stecken. Ich suche mir einen anderen Mieter, und du suchst dir einen anderen Vermieter! Sollen wir so verbleiben?“
Ziemlich mürrisch ging der Dünnbrett von dannen, nicht ohne mir zu drohen:“ “Sie werrrden von mirrr hööörrrren.““
Es gibt für alles Vorschriften

Bild:Vorschriften gibt es genug, aber die Regierung findet immer neue!

Dritter Stremel: Abmahnung

Es dauerte auch kaum 14 Tage, da kam ein Brief von einem Anwalt mit der Überschrift: Abmahnung. Ich hätte laut Gesetz so und so, Paragraf xy zig, Absatz 7 einen Mitbürger wegen seiner politischen Weltanschauung diskriminiert. Das sei nach dem neuen Gesetz von der Grünen Fraktion nicht zulässig. Der Streitwert werde auf 10 Jahresmieten festgesetzt und die Anwaltsgebühr betrage 2500 Euromark. Diese möge ich unverzüglich zahlen auf Konto dingsbumms. Außerdem solle ich unterschreiben, dass ich es nie mehr wieder tun würde. Prompt stand auch der Herr von Dünnbrett wieder vor meiner Tür. Nun wollte ich bei ihm Schönwetter machen, damit er sich nicht wieder von mir diskriminiert fühlte, denn die 2500 Euromark taten mir richtig weh.

„„Herr von Dünnplatt,““ sagte ich, „“ ich habe mir doch auch schon Gedanken gemacht, wie es mit Deutschland weitergeht. Stell dir doch bloß mal den Rhein vor.“


Bild: Hier entwirft das Innenministerium neue Gesetze für die innere Sicherheit.

Vierter Stremel: Ausländischer Wind!

„“Was ist mit dem Rrrrhein?“ „ fragte er. „

„Na, der entspringt doch gar nicht in Deutschland! Das ganze ausländische Wasser kommt Tag für Tag in unser Land. Niemand tut etwas dagegen. Ähnlich ist es mit der Elbe, ganz zu schweigen von der Oder. – Und andersherum: Was bekommen wir für das Wasser der Donau, die nach Österreich, Ungarn und schließlich von den Rumänen ins schwarze Meer geführt wird. Keinen roten Heller vergütet man uns dafür.“

“ „Wie darrrrf ich das verrrrstehen?“

„“ „Ich bin noch nicht fertig“,“ wandte ich ein,“ „denk doch mal nur an den Westwind. Der stammt ja wohl aus Holland, England oder Frankreich und im Winter der Ost- bzw. Nordwind von Polen, Skandinavien und Russland. Was sollen wir mit dem ganzen fremden Kram. Der Föhn in den Alpen könnte voll beladen sein mit italienischen, schweizerischen wenn nicht gar afrikanischen Atemzügen. Das ist eine Überfremdung par Excellance.. Da muss doch jemand Einhalt gebieten! – Sag mal, wo arbeitest du überhaupt? Kannst du die Miete pünktlich bezahlen? “

“ Er schaute mich seltsam an, und sagte, es sei geheim wo er arrrbeite, aberrrr die Miete werrrrrde pünktlich eintrrrreffen.
Festnahme wegen Unterhalt

Bild:Ein Gesetz gegen Gott, wegen Unterhalt für seinen Sohn, das wäre doch mal was für unseren Gesetzgeber.

Fünfter Stremel: Gesänge von allen Seiten

Nun musste ich mich an andere Gesänge gewöhnen: Wenn die Kamerrrraden von Herrn Dünnbrett mit vielen Kisten Bier tagten, dann sangen sie Lieder wie:“ „In einem Polenstädtchen“, „Deutsch ist die Saar“, „Argonnerwald um Mitternacht“, „Auf Kreta bei Sturmwind und Regen,“ „Panzer rollen in Afrika vor“,“dass ich im Stillen dachte: „Junge, Junge, wo die überall gewesen sind!“ Wenn sie genug Bier getrunken hatten, dann hörte ich auch schon mal „“Bomben gegen Engelland““ oder „„Ob`s stürrrmt oder schneit““ und „“Unsere Fahne flattert uns vorrrrran.“. Das konnte man ja auch schon glauben, bei dem Bierverzehr. Ganz am Schluss wurde immer gesungen: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt…“, obwohl die Etsch doch inzwischen italienisch Adige heißt.Vielleicht weiß das ja nicht jeder. Ich freute mich, dass ich so ein ruhiges Hobby wie Briefmarkensammeln hatte und mein ganzer Stolz war eine Fünfzig Pfennig Heuss, grau. Diese betrachtete ich sorgfältig ab und an mit der Lupe, indem ich sie vorsichtig mit einer Pinzette anfasste. Na, ja, es kann nicht jeder so ein stiller, ruhiger Mensch sein wie ich es bin, dachte ich.

./Terroristenbekämpfung

Bild: Das „Geständnis“.

Bei meinem Nachbarn Fiete Klütenbrink war auch ein neuer Mieter eingezogen. Der sang mit seinen Genossen immer Lieder wie: „“Völker, hört die Signale“, oder „Wenn wir schreiten Seit an Seit“ oder „Bau auf, bau auf, freie deutsche Jugend, bau auf“.“

Sobald sie genug Bier oder Wodka getrunken hatten, dann hörte man auch schon mal italienisch:“Avanti Popolo!A la riscossa, bandiera rossa, bandiera rossa..“ Ja, so ist das mit Fremdsprachen: Hat man genug Alkohol getrunken, dann sprudeln sie einem nur so aus dem Mund.
Wenn die Kühe gemolken waren im Dorf und der Feierabendverkehr von der Bundesstraße aufgehört hatte, dann sangen die Genossen und die Kamerrrrraden um die Wette und man konnte sie weit hören. Die beiden Gruppen waren sich aber nicht recht grün, das hat man bald gemerkt. Später habe ich auch gehört, dass sie sich gegenseitig anonym angezeigt haben, wegen Kleinigkeiten.

Sechster Stremel: Schluss mit Lustig.

Eines Tages sagte mir Herr Dünnbrett, er müsse heute zum Dienst, und seine Kamerrrraden würden ohne ihn Zusammenkunft halten. Ich solle mir nichts dabei denken, denn diese hätten seine Erlaubnis, die Wohnung zu betreten. „Alles Klar, was geht mich das auch an,“ dachte ich und bald erfüllten die Gesänge wieder unser ganzes Dorf. Aber dann…
Bei dem Lied „ „Es brrrrraust ein Rrrruf wie Donnerrrrrhall““ brach der Gesang plötzlich ab, als habe jemand den Stecker aus der Steckdose gezogen. Dann trampelten schwere Stiefel die Treppe herauf zu meiner Wohnung. Die Tür wurde aufgerissen und 6 oder 7 maskierte Männer stürmten in mein Wohnzimmer. Sie hatten Jacken an, auf denen groß POLIZEI stand. Die Maskenmänner drückten mich auf den Teppich und einer sagte: „Rrrrührrrren Sie sich nicht vom Fleck. Wirrrrr tun nurrrr unserrrre Pflicht im Auftrrrrage von Bundessicherrrrheitsmarrrrschall Schily. Sie haben Neonazis Unterrrrschlupf gewährrrrt. “ Nanu, dachte ich, die Stimme kenne ich doch!
Video:Endlich ist es mir gelungen, ein Video von den netten „Sicherheitsbeamten“ zu finden, die mich damals besuchten.

>Hier der Text:
Text: Im Frühtau, wir stürmen dein Haus,
fallera, wir sprengen deine HaustÜr einfach heraus, fallera,
dann sind wir alle drinnen, du kannst uns nicht entrinnen
und du schaust ganz schön blöd aus, trara.

Die dritte Strophe passt für EU, US, Russland und was weiß ich alles:
Wir Überwachen dich total, fallera.
Mecker‘ nicht du hast gar keine Wahl, trallala!
Wir sind hinaus gegangen, Terroristen fangen
komm mit und versuch es doch auch einmal!
Wir sind hinaus gegangen, Terroristen fangen
komm mit und versuch es doch auch einmal!

Tja, bei mir hieß er Otto Schily, aber die Figuren sind austauschbar. Man sieht es sehr schön an den Masken, die die Akteure tragen: Die Gesichter dahinter spielen keine Rolle. Der Geist hat sich seit Jahrhunderten nicht geändert.
Als die Männer meine Wohnung in Unordnung brachten, sah ich, immer noch mit dem Gesicht auf dem Teppich, dass der Anführer tatsächlich die Nagelstiefel anhatte, vor denen ich meine Auslegeware einst hatte schützen wollen.

Beitragszeit
Bild: Gesetz ist Gesetz und sparen kann man immer.

Die Maskenmänner fanden auch meine Briefmarkensammlung und – die dürfen sich ja wohl einmal irren – deshalb hielten sie die Marken aus dem dritten Reich, die noch Hakenkreuzstempel und andere Nazisymbole aufwiesen, für Beweismaterial. Meine 50 Pfennig-Heuss-grau, aber warfen sie achtlos auf den Teppich und traten mit ihren Nagelschuhen drauf.

Siebenter Stremel: Der Beweis

Als sie meine Wohnung völlig auf den Kopf gestellt hatten, nahmen sie mich mit ins Präsidium. Auch die Kamerrraden von Herrn Dünnbrett wurden im gleichen eleganten Bus aufs Revier gefahren. Dort warf man mir vor, ich hätte ja nicht nur die Rechtsextremisten beherbergt und ich hätte auch verbotene Naziembleme gehabt, ich habe auch gegenüber einem V-Mann zugegeben, dass ich rechtsextremes Gedankengut verbreite mit der Aussage gegen fremdes Wasser und fremden Wind. Außerdem habe der Reichssicherheitsmarschall ein Gesetz eingebracht, nach dem innerhalb einer 2 km Zone um ein Ehrenmal ein Versammlungs- und Demonstrationsverbot für Rechts ausgesprochen wurde und da meine Wohnung nur 500 m vom Ehrenmal für die Opfer des KZ Neuengamme läge, habe ich mich auch da strafbar gemacht. –
Es muss aber auch unter diesen Leuten einer mit durchschnittlichen Verstand  gewesen sein, der die „Beweise“ richtig einschätzen konnte. Ich wurde freigelassen und durfte nun um Mitternacht zu Fuß nach Hause gehen, denn mein Bargeld wurde als „Beweis“ einbehalten.
Und das kam so: Mein Opa hatte mir einst eine kleine 10Pfennig-Nazi-Münze gegeben mit der Bermerkung, in meiner Geldbörse sei immer Geld, wenn ich nur diese Münze dabei habe. Das hatte bis dato auch funktioniert. Nun aber war sie ein Beweisstück geworden und gleich mit allen Euromünzen und Scheinen „konfisziert“, und bei meiner „Entlassung“ um Mitternacht war die Asservatenkammer schon geschlossen. Gott sei Dank hatte ich mir immer einen Haustürschlüssel unter dem Blumentopf hinten auf der Veranda versteckt. Jetzt bin ich grade dabei, meine Wohnung aufzuräumen und denke, der Rumsfeld hatte doch gar nicht so unrecht, wenn er unseren Staat in einem Atemzug mit Lybien und Kuba nennt, und denke ich noch: Wo ist der grosse Unterschied zwischen dem was man bekämpft und dem, was man praktiziert. Hoffentlich lernt unser „Commandante“ eines Tages dazu und macht nicht weiter Gesetze, von denen man eines übertritt, wenn man ein anderes befolgt, sonst sind wir auf einmal alle Kubaner oder Lybier. Heute kam ein Brief mit der Post von der Staatsanwaltschaft. Es werde gegen mich ermittelt! Nicht etwa wegen Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts, Besitz von Nazibriefmarken oder Unterstützung einer extremen Vereinigung, nein, das Anti-Diskriminierungsgesetz sei inzwischen in Kraft getreten und nun bestehe trotz Abmahnung durch einen Anwalt ein öffentliches Interesse an der Verfolgung!

Ist es nicht schön, wenn soviel für unsere „Sicherheit“ getan wird?
Auch woanders gibt es „schräge“ Gesetze!!

Wichtiger Hinweis!
Diese Geschichte ist von mir erdacht. Das muss hier leider gesagt werden, weil sie inzwischen anscheinend so wahrscheinlich geworden ist. Also:

    • Ich habe weder gegen fremden Wind, noch gegen fremdes Wasser etwas.
    • Ich wohne nicht in der Nähe von Neuengamme!
    • Ich habe keine Nazibriefmarken mehr.
    • Ich habe nichts gegen die große Masse der deutschen Polizei, die sich korrekt verhält.
    • Freiherr von Dünnbrett oder Gottfried von Schwabbelbacke sind frei erfundene Personen.
    • Ich kenne die Liedtexte nicht auswendig, sucht im Internet.
    • Tatsache ist, Demonstranten gegen TTIP werden von der NSA als Terroristen geführt.
    • Bis heute ist nichts besser geworden!Danke!
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