Knast statt Altersheim (12)

Da saßen nun 3 alte Kameraden und redeten sich die Köpfe heiß, wie man wohl an das Geld des Transportinstitutes herankomme, ohne gleich eine Armee von Bewaffneten einsetzen zu müssen. Schließlich blieb nur ein einziger Plan übrig: Man musste einfach ein wenig tricksen, dann würde es schon gehen.

Die Frage, wieviel man wohl erbeuten könne, wenn man den kompletten Panzerwageninhalt als „herrenlose Sache“ ansehe, die Frage konnte natürlich keiner beantworten. Aber es könnte schon die doppelte Summe des Baumarktjobs herauskommen, meinte jedenfalls der Jan. Werner hielt die Schätzung jedoch für übertrieben und rechnete eher mit einem ähnlichen Ergebnis, wenn es denn überhaupt soviel werden würde.

Die zweite grundsätzliche Frage war die nach der Rolle von Else. Sollte man sie einweihen und wiede auf ihre Künste zurückgreifen? Sollte man sie erpressen mit dem Hinweis auf den Baumarktraub, wo sie – auch wenn unwissend – so doch als Mittäterin fungiert hatte? Hätte sie dann nicht auch einen Anspruch auf ein Viertel des Geldes?

Wers glaubt, wird seelig Congratulate on the pension beginning Solche Fälle zur Entlastung der Rentenkasse sind der Politik am liebsten.

Inzwischen machte sich Else ganz andere Gedanken. Wer hatte nun die Schuld daran, dass sie im Alter noch auf den Verdienst beim Theater angewiesen war. Hatte sie im Leben etwas Verkehrtes gemacht, als sie ihrem ehemaligen Mann getraut oder den Versprechungen der Politiker geglaubt hatte? Ihr Leben lang war sie als „ehrliche Haut“ verschrieen gewesen, sollte sie nun im Alter auf die schiefe Bahn geraten? Oft hatte sie ja von einem eigenen Salon geträumt mit einer Schönheitsecke für sich, wo sie Pediküre, Maniküre und Makeup anbieten wollte und dann einen Damenfriseur als Compagnon gewinnen könnte, so dass ihre Kunden dann von A bis Z mit Schönheit und Wellness zu versorgen seien. Leider bedurfte es dazu eines kleinen bis mittleren Vermögens und da schloss sich der Gedankenkreis. Wenn sie sich nun an einem eventuellen Coup beteiligen würde, ob dann wohl soviel dabei herausspringen würde, dass es zu einem Anfang in der Selbstständigkeit langen würde?

Ganz und gar wollte sie sich nicht ausmalen, was sein würde, wenn sie eines Tages nicht mehr selbstständig ihren Haushalt führen könne, oder ihre Besorgungen machen müsste. Dann würde man sie sicher in ein Heim stecken, wo die Leute so unter Medikamenten standen, dass sie den lieben langen Tag auf dem Sofa saßen und still für sich hin starrten, ohne eine Regung, ohne ein Wort, lebendig tot. Auch um einen solchen Schicksal zu entgehen musste Else die Wahrheit erfahren und beschloss, einen Versuchsballon starten zu wollen. Sie wollte ein Schreiben aufsetzen, in dem sie einen der drei Bekannten, die ihr geblieben waren, um 5 Tausend Euro „bitten“ wollte, anonym versteht sich und unter der versteckten Drohung, mit der „Wahrheit“ über den Raub im Baumarkt zur Zeitung zu gehen. Gesagt, getan und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die drei „Hauptverdiener“ in diesem Quartett kamen natürlich sehr schnell darauf, dass als einzige Else in Frage käme.
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