Kaufleute oder Diebe?

Einige wichtige Dinge ändern sich, wenn man eine IchAG gründet, Dinge, die man eigentlich garnicht so auf der Rechnung hat. So gibt es z. B. kein Widerrufsrecht für Selbstständige Kaufleute, wie die Geschäftsführer einer IchAG genannt werden. Deshalb gehören sie auch zum erklärten Angriffsziel von Neppern, Schleppern und Bauernfängern. Hier einige Beispiele:
Du bekommst einen Anruf, in dem Dir einige Probeexemplare einer teuren Zeitschrift angeboten werden, völlig kostenlos – versteht sich, – vollig unverbindlich – versteht sich, und es bedarf keinen weiteren Handelns, wenn Du diese Zeitschrift nicht abonieren willst.

Du bekommst auch richtig eine, zwei, manchmal sogar mehr zeitschriften und denkst an nichts Böses. Auf einmal kommt eine Rechnung. Na, ja, denkst Du, die werden sich schon denken, dass ich nicht abonnieren will, wenn ich diese Rechnung einfach ignoriere. Weit gefehlt: Wenn Du nicht reagiertst, musst die Zeitung für ein Jahr, vielleicht sogar zwei Jahre bezahlt werden. Als „Minderkaufmann“ hättest Du das wissen müssen. Zu allem Überfluss hat jetzt der Gesetzgeber in guter Absicht gegen die Zahlungsmoral einiger Kunden das gerichtliche Mahnverfahren vereinfacht und so kann jeder Trottel Dir einen Mahnbescheid schicken.
 Hermes, der Götterbote

Bild: Hermes, der Gott der Kaufleute und Diebe. Kein Wunder, wenn Du diesen Artikel liest. Auch die Büchse der Pandora mit allen erdenklichen Schlechtigkeiten verdanken wir Menschen dem Hermes.

Es ruft jemand an, der einen todsicheren Weg weiß, wie Du z. B. 5000 Euro in kurzer Zeit verdoppeln kannst. Du brauchst nur in Salzhering investieren. (Stintfisch, Olivenöl, Grundstücke, Schiffe, es gibt 1000 Anlasse). Mach es nicht, denn eines ist sicher: Nicht etwa Dein investiertes Geld, sondern sicher ist allein die Tatsache, dass es weg ist. Auch hier gibt es kein Berufen auf Unerfahrenheit. Du hättest es wissen müssen.

Noch ein kleines Beispiel: Du hast einen Auftrag angenommen und jeden Tag gehst Du morgens dort hin, abends wieder nach Hause. Eines Tages kommt ein Mensch und fragt, ob er Dir ein wenig helfen kann, er möchte mal ausprobieren, ob er das auch kann. Meinetwegen sagst Du zu ihm. Am nächsten Tag kommt er wieder und fragt, ob er noch einmal mitmachen dürfe. Nun denkst Du, gestern hat es ganz gut geholfen und wenn er heute wieder umsonst arbeiten will, meinen Segen hat er.

Ob Du es glaubst oder nicht, diesen Mann hast du „versehentlich“ eingestellt und er kann Lohnforderungen gegen Dich einklagen, egal, was Ihr mündlich abgemacht habt.

Mir ist selbst dies passiert: Eines schönen Tages bekam ich Post, man würde mich von der Fa. Soundso einladen, an einer wichtigen Konferenz über Sauberkeit der Luft teilzunehmen. Diese sei in der Schweiz und ein Doppelzimmer im Hotel „Wagner“ sei schon für das bestimmte Wochende gebucht. Ich könne gerne meine Frau mitnehmen, Frühstück für 2 Personen inklusive. Na schön, dachte ich, an den Bodensee wollte ich immer schon und fuhr mit meinem PKW los. Im Hotel kannte man die Fa. schon und sagte mir, dass dort fast jedes Wochenende ein Zimmer reserviert sei, aber eben nur das eine. Ich fragte mich, was es denn wohl für eine Konferenz werden würde, wenn ich allein dort herumsäße, denn andere Gäste wussten nichts von dieser Konferenz.

Am nächsten Tag kam ein Taxi und fuhr mich zu der „Konferenz“. Es ging zu einer Firma, die sich mit der Produktion von Luftreinigern befasste und die Konferenzteilnehmer waren der Verkaufsleiter und ich. Mit allen psychologischen Tricks versuchte man, mir für 10 Tausend Franken Luftreinigungsaggregate zu verkaufen. Ich tat dies mit dem Hinweis ab, dass ich Geschäfte nur von zu Hause aus tätigen würde, weil in der Schweiz kein EU Recht gelte. Dies sagt sich so leicht dahin, aber es hat den ganzen Tag , von 10 Uhr vormittags bis 16 Uhr nachmittags, gedauert, bis ich einigermaßen höflich und anständig aus dieser Klemme kam. Da meine Zimmer ohnehin für 2 Nächte gebucht war, habe ich am nächsten Tag noch eine schöne Bodenseerundfahrt gemacht. Es war Mitte Juni und wunderschönes Wetter.

– Einige Regeln gibt es, die solchen Fallen vorbeugen:Frage jeden, der Dich anruft, woher er Deine Daten hat. Er möge diese sofort löschen und Dir den Vollzug melden.

  • Wer Dich zur Zahlung einer Summe ermuntert, um damit Dein Geld zu verdoppeln, der will nur dein Geld, er will es selbst behalten und nicht für dich verdoppeln.
  • Wer Dir ein gutes Geschäft vorschlägt, aber du musst sofort unterschreiben, weil er nur heute in Deiner Gegend ist, der will Dich betrügen.
    Bei Vertretern, die auch gerne mal wiederkommen oder Dir Gelegenheit geben, den Vertrag mit einem Anwalt durchzusehen, besteht meist weniger Gefahr, weil diese genau so einen harten Job haben wie Du selbst.
    Ehrlich dauerts am längsten, aber es hält auch am längsten.
  • Da fällt mir ein: Hat nicht auch Tacitus geschrieben, dass die Germanen den Merkur (röm. Hermes) als höchsten Gott verehrten?

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