Knast statt Altersheim Teil 4

Mit einer unglaublichen Fülle von Erkenntnissen war Jan aus der „Ankerwinde“ gekommen und kaum konnte er das Zusammentreffen mit den Kollegen abwarten, damit er alles brühwarm erzählen könne. Ausserdem musste er auch immer noch über Schweine-erwins Wodkageschäft nachdenken. Wenn sie nur eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse wollten, dann genügte ja ein ständiges ausreichendes Einkommen, wozu dann noch Bankraub? Andererseits, wenn sie nach einer eventuellen Gefängsnisstrafe wieder entlassen würden, dann stünden sie schlechter da als vorher. Deshalb musste man schon an etwas Großem arbeiten, damit eine Strafe ausreichend lang, quasi bis zum Lebensende reichen würde und damit beginnt Knast statt Altersheim 4

Die Freunde hatten ja vereinbart, dass sie sich nun entweder auf einer einsamen Stelle im Stadtpark treffen würden, oder bei Jan in der Wohnung, denn nicht jeder musste unbedingt mitbekommen, was die Opas beredeten. Beim schönen Wetter am nächsten Tag saßen sie nun im Stadtpark und genehmigten sich nach langer Zeit einen Schluck aus der geschenkten Wodkaflasche.

Jan eröffnete die Diskussion: „Der Schweine-Erwin meinte, im Knast ist es so ähnlich wie im Altersheim. Nur da bekommt man überhaupt kein Geld in die Hand, kann höchstens ein paar Cent verdienen und davon Bonbon oder Tabak kaufen.“ „Und Wodka?“ fragte Werner. „Wodka gibt es im Gefängnis nicht. Jedenfalls kann man ihn nicht kaufen. Der Erwin hat eine tolle Geschichte über selbst gebranntes Zeug erzählt, aber ganz bin ich da nicht hinter gestiegen. “ Dieter meinte: “ Du hast doch was erzählt über russischen Wodka, den wir auch schon getrunken haben.“, sagte Dieter. “ Ja“ , meinte Jan, “ das sind die Etiketten von der russischen Standard – Marke. Die kleben Erwin und seine Kumpane auf selbst gebrannten Kartoffelschnaps. Den sollen wir dann im Altersheim weiter verkaufen.“ Zweifelnd meinte der Werner: “ Ich kann mir nicht vorstellen, dass das klappt. Wir sind bei uns im Altersheim vielleicht 10 Männer, die einen Schluck vertragen würden. Von den 50 alten Frauen werden eine oder zwei auch mal Alkohol trinken. Wenn wir aber viel verkaufen wollten, müssten wir auch andere Altersheime, wie z. B. in der Rabenbergstraße abklappern. Wie sollen wir aber so viele Flaschen schleppen?“  Je länger aber der Jan über die Bedingungen im Gefängnis und über den Waffenhändler erzählte, desto mehr verwarfen sie das Wodkageschäft. Man würde einfach nicht lange genug eingesperrt werden, um in Ruhe und ohne finanzielle Knappheit alt werden zu können. Denn dass die Sache eines Tages auffliegen würde, davon waren alle überzeugt.

Nach dem zweiten oder dritten Schluck Wodka schienen ihre Pläne greifbar nahe. Es konnte doch nicht so schwer sein, in die Bank hineinzugehen, alles Bargeld zu fordern und wieder hinauszugehen. Man müsse halt nur die richtige Bewaffnung dabei haben, solche, die auch Eindruck schinden würde. Einige Male kam auch die Rede auf die Lebensbedingungen. War es wirklich mit dem Strafvollzug vergleichbar, was sie heute in Deutschland erleben mussten? Der Werner meinte aber vom Theater her zu wissen, dass es auch in der Vergangenheit oft Bestrebungen von unterpriviligierten Personen gegeben hatte, wenigstens im Winter ein warmes Quartier zu haben, indem man ins Gefängnis ging. Warum sollte diese Methode nicht auch für ein bequemes Lebensende funktionieren?

Ohne Arme

Schließlich sei es Generationen von Bank- räubern gelungen, warum grade ihnen nicht. Die einzige Hürde bestehe in der Schwie- rigkeit, wenigsten 3 Schieß- zeuge besorgen zu müssen, denn Schweine-erwin hatte angedeutet, dass eine MP wohl nicht unter 5000 Euro „unter Brüdern“ zu haben sei. Für eine Munitionierung würde fast  nochmal der gleiche Betrag fällig werden usw. usw.
Zur Zeit kamen sie sich vor wie jener armlose Bettler, der von einem gutmütigen Passanten eine alte Guitarre geschenkt bekommt, damit er sich etwas dazuverdiene.

Siehe Bild!

Nach dem dritten Wodka gestand der Werner, der früher Komparse beim Theater gewesen war, dass er 1100 Euro vor dem Sozialamt versteckt hätte, sozusagen als eiserne Reserve für Not- oder geschäftliche Glücksfälle. So ein Fall schien ja nunmer eingetreten zu sein und er wisse keinen Grund, warum er als Teilhaber nicht einspringen solle. Jan und Dieter schworen, dass er von der ersten Beute seine „Einlage“ zurückbekommen würde und so gingen alle froh und beschwingt nach Hause und die Literflasche war kaum halb leer.
Es ist doch schön, wenn man in seinem alten Beruf noch einmal so richtig in die Vollen schreiten kann. Oder wie unser Lehrherr damals immer sagte, man weiß nie, wozu man dieses oder jenes Wissen noch einmal gebraucht. Hier Hier ist die vorige Folge.

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