Knast statt Altersheim (18)

Die vier merkten, dass das Auto eine ungeahnte Freiheit bescherte. Zwar war die Art der Geldwäsche auf dem Flohmarkt sehr mühselig, denn mit mehr als 1000 Euro pro Sonntag wagte Else die Einnahmen nicht aufzufüllen, umso mehr, als es praktisch keine realen Einnahmen gab. Nun musste man aber Grenzen beachten, die die Steuerfreiheit der Einnahmen gewährleisteten. Man durfte einfach nicht so viel verdienen, dass man in das Visier irgendwelcher Steuerfahnder kam.
Der Student, der auf den angeblichen Verkaufserfolg neidisch gewesen war, stellte auch bald das äußert mühsame Geschäft fest. Er hielt unsere Helden aber einfach für Verkaufskanonen und dachte im Leben nicht daran, dass sie ihre Kasse einfach mit ergaunertem Geld aufbesserten.
Nun hatte man ein altes Problem und ein neues dazu. Werner und Dieter, die ja immer noch im Altersheim in der Moltkestraße wohnten, wollten auch eine Wohnung mit mehr Privatsphäre und größerem persönlichen Freiraum. Wollte man eine Wohnung mieten und diese aus der Geldreserve bezahlen, so musste man das Vermögen schneller waschen.
Bei einer Besprechung meinte Else, sie werde sich ein schickes Hosenkostüm kaufen und die Herren sollten sich feine Anzüge und Hemden besorgen. Da der Werner die passende Figur habe, sollte er sich einen Maßanzug schneidern lassen. Dann könne man die „große Wäsche“ starten. Danach könne man über einen Exodus aus dem Altersheim beraten.

Zunächst konnte sich keiner vorstellen, was man mit so feinen Klamotten auf dem Flohmarkt machen sollte. Als aber alles so weit vorbereitet war, kam Else mit ihrem Plan heraus: Sie wollten ins Kasino. Gewonnenes Geld sei ein Jahr steuerfrei und bis dahin könne man viel davon ins Ausland schaffen, schließlich sei man zu viert. Man müsse so tun, als kenne man sich nicht, aber es sei ungeheuer wichtig, erst dann die größeren Summen zu spielen, wenn alle an einem Roulette Tisch säßen. Dann setze man jeweils Jetons im Wert von 500Euro. Dabei müssten 2 Leute auf Schwarz und 2 Leute auf Rot setzen. Gewinne Rot, würden aus 500 gleich 1000 Euro und die anderen 500 wären verloren. Umgekehrt grade ebenso. So würde man sehr wenig Geld verlieren und das System ließe sich auch noch mit 2 Personen spielen. Wenn nun zufällig einer ganz allein an einem Tisch säße, dann müsse 4 Spielmarken plazieren: Auf das erste Dutzend, auf das letzte Dutzen und auf die Zahlen 1-18 und 19 bis 36. Da bekäme man in der Regel 5 für 4 Jetons und in den wenigen Fällen mit einer Zahl auf dem mittleren Dutzend verliere man nur 2 Jetons. Gesagt, getan.
Es funktionierte auch nicht schlecht und so kannten Kassierer und Croupiers einiger umliegender Kasinos bald jeden Einzelnen der vier als mehr oder weniger gutsituierte Dame oder Herren, ohne zu wissen, dass sie zusammengehörten, denn in den Ausweisen der Helden standen unterschiedliche Adressen, bis auf die beiden Bewohner des Altenheimes. Hier erwies sich das Auto als Segen, denn sie fuhren mit dem Auto in eine fremde Kasinostadt, parkten auf einem bewachten Parkplatz und fuhren von dort mit dem Taxi beim Kasino vor. Dann spielte man einige Runden und danach wurden die Jetons in sauberes Geld eingetauscht. Bei einem Einsatzlimit von 1000 Euro ging es recht flott voran mit dem Geldwechsel und man musste aufpassen, dass man als Altersheimbewohner nicht auf einmal Tausende von Euro verspielte oder gewann. Denn bei Gewinnen stand beim Werner das Sozialamt im Hintergrund und hätte sich brennend für die Einnahmen interessiert. – Um die Sache zu beschleunigen, wurde auch vorgeschlagen, online in einem Kasino zu spielen, aber wer konnte den verschiedenen Anbietern trauen?

Else riet allen immer wieder, doch Geduld zu haben. Schließlich wolle man alles Erreichte nun nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Es verging fast ein Jahr, ehe sie etwas gefunden hatten, wo sie alle zusammen leben konnten und doch jeder für sich bliebe, wenn ihm danach sei. Der Abschied aus dem Altersheim für den Werner und den Dieter gestaltete sich jedoch mit Hindernissen, denn die Heimleitung war anscheinend auf jeden „Gast“ angewiesen und grade mit dem Gehbehinderten Dieter hatte sie etwas Besonderes vor. Für ihn wollte sie eine Pflegestufe beantragen. Danach würde der Zuschuss des Sozialamtes geringer werden und die Heimleitung könnte das Geld anders anlegen. Am Tag, als der medizinische Dienst (MD) die Einschätzung beim Dieter vornehmen sollte, lag dieser im Bett und konnte kaum sprechen. Man hatte ihm Haloperidol und Clozapin gegeben und nun machte er den Eindruck eines Schlaganfallpatienten. Der medizinische Dienst stufte ihn prompt auf Pflegestufe 2 ein, aber der Dieter brauchte mehrere Tage, um wieder klar im Kopf zu werden. Nun aber drang er noch stärker auf einen Auszug aus dem Heim. Jan schickte ein Schreiben an das Heim, dass er ein Vetter des Dieter sei und diesen an dem und dem Tag abholen werde. Dann fuhr er mit dem alten Auto vor und nahm den Dieter mitsamt seiner wenigen Habe in dem Kombi mit. Als Postnachsendeanschrift gab er seine eigene an. Damit war der Dieter frei.
Für heute habe ich Euch genug erzählt. Im nächsten Kapitel werden wir erfahren, wo die 4 jetzt zusammen hinziehen wollen.

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