Morbus Greacus – Eigentlich sind wir alle Griechen…

Die Griechen schimpfen gern auf die deutschen Politiker und glauben ihren Lügenbaronen, dem Tsipras oder gar dem Varufakis. Irgendwie seltsam, die Hedgefonds, Banken  und Ratingagenturen, davon viele in den USA, die Immobilienblase mit den toxischen Schuldverschreibungen und der zu harte Euro haben die griechische Krise verschärft, die Schuld bekommen aber jene, die die größte Hilfslast für das Land tragen: Die Deutschen. Tatsache ist, dass alle Länder in Europa und auch die USA Schulden in großem Ausmaß haben, auch Deutschland.  Es warten die Spekulanten nur darauf, dass auch Deutschland strauchelt. Es ist immerdas gleiche Spiel. Zunächst sucht man einen Staat, der viel Schulden hat und daher für Anleihen und Staatspapiere hohe Zinsen zahlt. Dann stufen die Ratingagenturen die Bonität dieses Staates weiter herunter und die Zinsen steigen simultan. Das geht immer weiter so. Schließlich sind die Zinsen so hoch, dass die Gläubiger ihr eingesetztes Kapital innerhalb von wenigen Jahren verdoppeln. Nun kann der Staat die hohen Zinsen nicht mehr aufbringen und muss in die Pleite. Argentinien, das den Dollar als Leitwährung hatte, hat es erlebt und ist inzwischen zweimal pleite gewesen.

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Wie Geier oder Hyänen lauern die Spekulanten also auf ein Opfer und anscheinend können sie wie eben diese Aasfresser förmlich „riechen“ welches Objekt sich als nächstes lohnt. Neben Irland, Portugal, Spanien, Italien und Zypern war auch Griechenland so ein angeschlagenes waidwundes Wild für die Raubtierkapitalisten. Im Falle dieses Landes ist es den Profiteuren gelungen, die Schuld an der griechischen Misere geschickt auf die Deutschen umzuleiten. Die Deutschen wiederum geben den Griechen selbst die Schuld. Da hat man die wenig effektive Verwaltung, die korrupten Steuereintreiber, die Oligarchen, die sich Parteibeschlüsse und Gesetze selbst kaufen, die Rente mit 45  und was sonst noch im Auge. Wie leicht die Bevölkerung Hellas zu belügen ist, erkennt man daran, dass sie dem Tsipras glaubte, ohne Sparauflagen den Euro behalten zu können, dass am Montag nach dem Referendum die Banken wieder öffnen würden, dass es mit den Sparauflagen vorbei sein usw. usw.

cropped-DSCN0001.jpgGanz besonders tat sich auch der „Professor“ Varufakis mit wenig logischen Äußerungen hervor: Einerseits hätten die Geldgeber die Schuld an der Griechenmisere, weil sie einem Pleiteland im Jahre 2002 den Euro gegeben hätten und dann noch Geld geliehen hätten. Das mag wahr sein, aber warum fordert der „Professor“ dann neue Kredite für ein Land, das nach eigenen Angaben Pleite ist? Warum will er dann noch in  der Eurozone bleiben? Dann will er bei Verhandlungen um eine solche Förderung seine Kollegen aus der EU mit Vorlesungen belehren und läßt in dem halben Jahr seines Mitwirkens in der Regierung der Siriza Partei seine Heimat ökonomisch voll gegen die Wand fahren. Kaum einem Mitteleuropäer, viele Griechen eingeschlossen, erschließt sich eine solche Logik.

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Aber auch die anderen Europäer der Eurogruppe werden von ihren Politikern belogen. Nur glauben die Lügen nicht mehr unbesehen so viele wie früher . Weder das Geschwafel aus Brüssel noch die Vielstimmigkeit in den einzelnen Nationen wird für bare Münze genommen. So ist das Geld, das bisher in Griechenland „verbuddelt“ wurde verloren. Es wird frühestens  „ad calendas greacas“ (= Sankt Nimmerlein)  zurückgezahlt. Selbst wenn man den Griechen eine weitere 50 Milliardenspritze für die nächsten 3 Jahre setzt, wird auch diese nicht wirken; aber leider brauchen die Amerikaner das Land an der Ostgrenze der Nato als Stützpunkt. Da sind sie bereit, jeden Preis zu zahlen, um es in der Nato zu halten, um so eher, wenn andere diesen Preis – in diesem Fall die Europäer – dafür zahlen müssen. Auch die Kommissare und Parlamentarier in Brüssel könnten etwas tun. Statt sich mit Klospülung und Gurkenkrümmung zu beschäftigen, könnte man darangehen und in der Eurozone gleiche Steuerbedingungen vorzuschreiben. Das würde auch dem deutschen Steuerrecht wohl anstehen, dass mit einer immensen Fülle von Vorschriften unrühmlich glänzt.

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Wenn die Griechen zur Drachme zurückkehren würden, wären Abwertungen kein Problem mehr. Die einheimischen Lebensmittel wären wieder gefragt, weil bedeutend billiger als Eurowaren und die Hedgefonds wären auch weniger interessiert, weil man die Leitzinsen für die Drachme selbst festsetzen könnte. Übrigens: Nicht Griechenland ist Schulden-Weltmeister sondern Japan. Denen geht es aber gar nicht so schlecht und darüber sollten jene Griechen mal nachdenken, die noch nicht von dem Geseihe ihres Präsidenten Tsipras besoffen geredet wurden.

In diesem Sinne: Per aspera ad Drachme!

Nachtrag am 11. 7. 2015: In der Nacht zu heute hat das griechische Parlament jenen Auflagen der Gläubiger zugestimmt, die per Volksbefragung noch am Sonntag abgelehnt wurden. Wer jetzt noch glaubt, man würde sich am Peloponnes an die versprochenen Reformen halten, der soll sein Geld lieber mir geben. Ich kann es auch verschlampen!

Nachtrag am 13. 7. 2015: Eine weitere quasi Schenkung von ca. 80 Milliarden Euro für Griechenland in den nächsten 3 Jahren wird als Durchbruch verkauft. Damit würden  sich die Schulden Griechenlands auf 400 Milliarden Euro belaufen, fast eine halbe Billion. Morbus Greacus grassiert weiter, denn dieses wird nicht das letzte Almosen sein. 

 

 

Über chamaco

Im Laufe meines Lebens habe ich eine schwere Behördenallergie erworben, deshalb schreibe ich die Ungerechtigkeiten hier gnadenlos auf. Ach, wie gut, dass Niemand weiß, dass ich Rum Pel Stielzchen heiß.
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